Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Erster Band, dritte verbesserte Auflage
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17251/90/
Wärmeerzeugung. Ursachen. Athmen. 
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Wärme ihre Quelle in den Lungen habe. Nach der Hypothese 
von Lavoisier und Laplace, welcher die meisten neueren Chemi- 
j,er «el'olgt sind, wird heim Athmen der Sauerstoff der Atmo¬ 
sphäre mit Kohlenstoff des Blutes verbunden, und als Kohlen¬ 
säure ausgeathmet. Wenn nun beim Athmen mehr Sauerstoff der 
Atmosphäre verschwindet, als in der ausgeathmeten Kohlensäure 
enthalten ist, so wird in einer zweiten Hypothese angenommen, 
dass das nicht auf Kohlensäure verwandte Sauerstoffgas sich durch 
Verbindung mit Wasserstoff des Blutes in Wasser verwandle und 
ausgehaucht werde. Nimmt man diese Hypothese an, so kann 
man die Ursache der thierischen Temperatur in jener Wärme 
suchen, welche durch die Vereinigung des Sauerstoffes der cin- 
geathmeten Luft mit dem vom Blute herstammenden Kohlenstoff 
der Kohlensäure und des Sauerstoffes mit Wasserstoff zu Wasser 
entsteht. Crawford ( Versuche und Beobachtungen über die Wärme 
der Thiere. Leipz. 179.9.) suchte diess noch wahrscheinlicher zu 
machen, indem er angab, wie die Verbreitung der Wärme, die 
einmal in den Lungen entstanden, leiehler erklärt werden könne, 
dass das arterielle Blut eine grössere Wärmecapacität als das ve¬ 
nöse, ungefähr im Verhältnisse von 11,5:10,0 besitze. So soll 
die in den Lungen entstandene Wärme zur Beibehaltung der 
Temperatur des arteriellen Blutes angewendet, und dann überall 
im Körper frei werden, wo die Organe sich aus dem Blute er¬ 
nähren, und das arteriöse Blut in venöses übergeht. J. Davy 
hat indess gezeigt, dass die Wärmecapacität beider Blutarten 
entweder gar nicht oder nur sehr unbedeutend (wie 10,11:10,00) 
differire. 
Es lässt sich aber direct berechnen, wie viel Wärme durch 
das Athmen entstehen kann, angenommen, dass die chemische 
oder Verbrennungstheorie vom Athmen richtig wäre. Diese Ar¬ 
beit haben Dulong und Despretz unternommen. Dulong brachte 
verschiedene, sowohl fleisch- als pflanzenfressende Säugethiere 
und Vögel in einen Behälter, worin die Veränderungen der Luft 
bei dein Athmen bestimmt und die Producte quantitativ gemessen 
werden konnten, während der Wärmeverlust der Thiere zugleich 
berechnet wurde. Dulonc fand, dass von allen Thieren mehr 
Sauerstoffgas verzehrt als in Kohlensäure verwandelt wurde. Bei 
den Pflanzenfressern betrug diese Absorption des Sauerstoffgases 
nur tV im Durchschnitt, bei den Fleischfressern war die geringste 
Quantität des absorbirten d. h. nicht in Kohlensäure verwandelten 
Sauerstoffgases ■§-, die grösste Qantität ^ der verwandten Menge 
Gases. Nimmt man nun an, dass das Sauerstoflgas durch 
seine Verwandlung in kohlensaures Gas beim Athmen eine gleich 
grosse Wärme erzeugt, als dieselbe Qnantität Kohlensäuregas 
durch Verbrennung von Koble in Sauerstoffgas, und geht man 
dabei von der Bestimmung der Wärmequantität aus, wie sie von 
Kaplace und Lavoisier angegeben wird, so beträgt sie nicht mehr 
ah 0,7 der Wärme, welche das pflanzenfressende Thier in der¬ 
selben Zeit verliert, und ^ derjenigen, welche das fleischfressende 
hier einbüsst. Nimmt man ferner an, dass das Sauerstoffgas, 
'reiches durch das Athmen absorbirt und der Luft nicht in Form
        

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