Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Erster Band, dritte verbesserte Auflage
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17251/848/
3. Vow Gehirn. Verlängertes Mark. 843 
mark in Wechselwirkung, die Kenntniss des Verlaufs der Stränge 
desselben ist daher für den Physiologen von besonderer Wich¬ 
tigkeit. Bubdach hat diesen Gegenstand in seinem verdienstvol¬ 
len Werke über den Bau und das Leben des Gehirns mehr als 
Andere aufgeliellt. Man unterscheidet jetzt folgende Stränge des 
verlängerten Markes: 
1) die Pyramiden ; sie bilden sich nach Burdach aus Grund¬ 
fasern und Kreuzungsfasern. Die Grundfasern liegen an der vor¬ 
deren Fläche des grauen Kernstranges, sie bilden die hintere 
Wand des vorderen Einschnittes des Rückenmarkes, steigen aber 
am Halse 3^-—14 Zoll unter der Brücke schräg nach vorn her¬ 
auf, so dass sie anfangs, die Seitenwände des vordem Einschnit¬ 
tes bildend, zuletzt zu beiden Seiten des Einschnittes an der 
vordem Fläche des Rückenmarkes hervortreten, und an der in- 
nern Seite des innern vordem Rückenmarksstranges sich hervor¬ 
drängen. Die Kreuzungsfasern sind ein Arm des Seitenstranges 
des Rückenmarkes, welcher hinter der Olive weggeht, schräg 
nach innen und vorn aufsteigt, und mit den Grundfasern an der 
Oberfläche zur Seite des vordem Einschnittes des Rückenmarkes 
1 Zoll unter der Brücke hervortritt. Nur die Kreuzungsfasem 
kreuzen sich, d. h. kommen von der einen Seite des Einschnittes 
zur andern, und legen sich an die entgegengesetzten Grundfa¬ 
sern an. Burdach a. a. O. 2.31. Die Fasern der Pyramiden gc. 
hen durch die Bündel der Querfasern der Brücke in die Hirn¬ 
schenkel über. 
2) Die Hülsenstränge sind nach Burdach die an der innen 
und äussern Seite der Olive verlaufenden Faserbündel, welcle 
an der Oberfläche des verlängerten Markes nicht blosslieger. 
Der vordere Hülsenstrang entsteht aus den Markfasern am vor¬ 
dem Einschnitte des Rückenmarkes, welche an der Stelle, w> 
die Pyramiden hervortreten, von der Pyramide nach aussen gt- 
drängt werden. Der äussere Hülsenstrang ist der äussere Thdl 
der vordem Rückenmarksstränge an der innern Seite der vor¬ 
dem Wurzelreihe. Beide Hülsenstränge liegen an einander lis 
da, wo die Olive zwischen ihnen hervortritt. Die inneren Hid- 
senstränge gehen durch die Brücke mit den Pyramiden in die Jlim- 
schenkel über. Die äusseren Hülsenstränge treten nach oben 
und innen um den obern Theil der Processus cerebelii ad cor¬ 
pora quadrigemina, und sofort in die Basis der Vierbügel über. 
3) Die Olive entsteht durch die Ausbreitung des vordem 
grauen Stranges im verlängerten Marke. An dieser Stelle geht 
von dem grauen Strange eine mit weisser Markirasse ge¬ 
füllte, gefaltete graue Blase ah, die auch äusserlich mit Mark¬ 
masse überzogen ist. Die graue gefaltete Blase und der markige 
Kern erscheinen auf dem Durchschnitte als Corpus dentatum 
der Olive. 
4) Der Seitenstrang des Rückenmarkes giebt am Anfänge des 
verlängerten Markes die Kreuzungsfasern der Pyramiden nach 
innen ah, der übrige Theil schlägt sich über der Olive in den 
Schenkel des kleinen Gehirns zum verlängerten Marke, und gehl
        

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