Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Erster Band, dritte verbesserte Auflage
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17251/833/
828 III. Buch. Nervenphysik. V.Abschn. CmtraUheiled. Nervensyst 
nerven am Rückenmark bei allen Wirbelthieren Anschwellungen 
des Rückenmarkes sich befinden. a 
Ueber die Deutung des Fischgehirns im Vergleiche mit dem 
Gehirne der höheren Thiere giebt cs folgende Ansichten. 
1) Einige, wie Cuvier, vergleichen die Lobi optici der Fi¬ 
sche mit den Hemisphären des grossen Gehirns der höheren 
Thiere; diese stützen sich auf die Existenz des dritten Ventrikels 
auf dem Roden des mittlere Theiles der Lobi optici, , auf die 
vor diesem Ventrikel befindliche Comrnissur; sie vergleichen die 
Anschwellungen hinter dem dritten Ventrikel auf dem Roden der 
hohlen Lobi optici mit den Vierhügeln; die Lobi olfactorii vor 
den Lobi optici vergleichen sie mit den Lobi olfactorii der Am¬ 
phibien, Vögel und Säugethiere am Anfänge ihrer Hemisphären. 
Gottsche, dessen treffliche und genaue Arbeiten über das Gehirn der 
Fische, in Mueller’s Archiv 1835. mitgetheilt sind, neigt sich 
ebenfalls zu dieser Ansicht hin. Dagegen spricht die Lage der Zir¬ 
bel vor den Lobi optici, die, wenn diese die Hemisphären reprä- 
sentirten, vor den Vierhügeln liegen müsste, die Kleinheit der 
Hügelchen auf dem Boden der hohlen Lobi optici, da hingegen die 
Vierhügel der Vögel und Amphibien sehr gross und hohl sind; 
die Commissuren der sogenannten Lobi anteriores der Fische, spre¬ 
chen nicht dagegen, da auch die Lobi der Geruchsnerven bei den 
höheren Thieren eine Comrnissur haben. 
2) Die Meisten, wie Arsaky, Carus (er nennt die Lobi optici 
Sehhügel), Tiedemann, Serres, Desmoulins halten die L. optici für 
Analoga der Vierhügel der höheren Thiere, die vor ihnen liegenden 
meist soliden Lappen lür die Hemisphären ; und diese stützen sich auf 
die Grösse der Vierhügel, und ihre Hohlheit bei den Vögeln und 
Amphibien, als Theile, die nach abwärts an Grösse immer zuneh¬ 
men, auf den theilweisen Ursprung der Sehnerven aus den Corpora 
([uadrigernina bei den höheren Thieren, auf die sehr bedeutende 
Grösse und Hohlheit der Corpora quadrigemina bei dem Fötus 
der höheren Thiere, welche zu einer gewissen Zeit des ersten 
Fötuslebens sogar alle Theile des Gehirns an Grösse übertreffen. 
Für diese Ansicht spricht auch die Lage der Zirbel vor den 
Lobi optici der bische. Dagegen sprechen aber die Solidität der 
vor den Lobi optici liegenden Lappen, die man mit den He¬ 
misphären vergleicht (sie sind nur bei den Knorpelfischen hohl), 
die Anschwellungen auf dem Roden der Lobi optici, die in den 
Corpora quadrigemina der höheren Thiere nicht Vorkommen, die 
Lage des dritten Ventrikels auf dem Boden der Lobi optici und 
die Comrnissur vor diesem Ventrikel. 
3) Treviranus vergleicht die Lobi optici der Vögel mit 
dem hintern Theile der Hemisphären der Säugethiere mit sammt 
den Vierhügeln, namentlich der Vereinigung der Corpora geni- 
culata mit den Vierhügeln; vorzüglich gründet sich diese An¬ 
sicht darauf, dass in die hohlen Lobi optici der Vögel und Am¬ 
phibien der hintere: Theil der Sehhügel hineinragt. Hiernach 
waren nun die Lobi optici einer Vereinigung des hintern Thei¬ 
les der Hemisphären mit den Wänden der beim Fötus ganz hoh¬ 
len Vierhügel gleich zu achten.
        

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