Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Erster Band, dritte verbesserte Auflage
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17251/82/
Wärmeerzeugung. Winterschlaf. 
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i r Blausucht mit gestörter Ausbildung des arteriösen Blutes in 
j Lungen von Herzfehlern ist die Eigenwärme oft einige Grade 
■Invächer, z. B. 21° R. in der Hand; in der Cholera asiat. fällt 
*ge Wärme des Mundes auf 21° und 20° R. Im Schlafe ist die 
Wärme des gesunden Menschen nach Atjtenrietii Grad Fahr, 
geringer als hei Tage, Abends soll die Wärme etwas grösser als 
des Morgens seyn. Bei höherer Temperatur der Atmosphäre in 
wärmeren Climaten soll nach J. Davy die innere Körperwärme 
m ja_2 Grad Cent, steigen, und diess soll hei Menschen von 
ungleichem Alter und hei Eingebornen ehen so, wie hei einge¬ 
wanderten Fremden aus gemässigten Climaten seyn. Mit dem 
letztem Satze stehen indess die Versuche von Douvili.e (Fru¬ 
mp's Notizen. Ä. 686.) im Widerspruch. Auf hohen Bergen und 
in niederen Ebenen ist die Temperatur der Menschen nach 
Becqueree’s und Breschet’s Versuchen gleich. 
Uebcr die Temperatur der Thiere haben Tiedemann und 
Rudolphi sehr ausführliche und vollständige Zusammenstellungen 
der vorhandenen Beobachtungen geliefert, wo man auch die Lit— 
teratur findet. Hiernach variirt die Temperatur der Säugethiere 
in den verschiedenen Gattungen. Als Beispiele können dienen 
der Ochse mit 37,2° bis 40° Cent., das Schaf mit 38 bis 40; 
das Pferd mit 36,8 bis 36,11, der Elephant mit 37,5, das Meer¬ 
schweinchen mit 35,76 bis 38, der Hase mit 37,8 (das Kanin¬ 
chen mit 37,48 bis 40), das Eichhörnchen mit 40,56, Phoca vi- 
tulina mit 38,89, der Hund mit 37,39 bis 38,50, die Katze mit 
37 bis 39,78, Vespertilio noctula mit 38,89, Vespertilio pipi- 
strellus mit 40,56 bis 41,11, Simia aigula mit 39,7. Die Ceta- 
ceen unterscheiden sich kaum durch ihre Temperatur von den 
übrigen Säugethieren. Delphinus phocaena mit 35,50 bis 37,5, 
Monodon monoeerus 35,56, Balaena mysticetus 38,89. Siehe Tie- 
demann’s Physiologie I. p. 454. Die Temperatur der Vögel scheint 
fast durchgängig grösser als beim Menschen und bei den Säuge¬ 
thieren. Als Beispiele aus Tiedemann’s Zusammenstellung führe 
ich an: Larus mit 37,8, Tetrao albus 38,9, Hahn 39,44 bis 39,88 
(Henne 39,44 bis 43,3), Taube 41,5 bis 43,1, verschiedene Arten 
Enten 41,11 bis 43,9, Vultur barbatus 41,94, verschiedene Fal¬ 
kenarten 40,28 bis 43,18, Rabe 41,1 bis 42,91, verschiedene Ar¬ 
ten Fringilla 41,67 bis 44,03, Parus major 44,03, Hirundo lago- 
pus 44,03. 
Die Fähigkeit, Wärme zu erzeugen, kommt den warmblütigen 
Thieren nicht unter allen Bedingungen zu. Edwards fand dieses 
Vermögen bei alten Leuten geringer. Der Embryo der Säuge¬ 
thiere hat nur die Temperatur der Mutter, und verliert sie aus 
«er Mutter entfernt nach den Versuchen von Autenrieth und 
Schuetz (expérimenta circa calorem foetus et sanguinem. Tub. 1799.). 
Dasselbe schnelle Erkalten bemerkt man nach Edwards selbst 
e‘ den Neugebornen der meisten Raubthiere und Nagethiere, 
®°bald sie bei 10 —12° Cent, von der Mutter entfernt werden, 
ägegen s;e an der Mutter liegend nur 1 — 2° Cent, kälter als die 
utter selbst sind. Diess gilt auch von ganz jungen Vögeln, so 
ass lunge Sperlinge acht Tage nach dem Auskriechen, während
        

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