Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Erster Band, dritte verbesserte Auflage
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17251/791/
786 III. Buch. Nervcnphysik. IV.Abschn. Eig'enth. der ebiz. Nerven. 
kannten Erfahrung hervor, dass das amaurotische Auge, wo die 
Netzhaut gelähmt ist, die Beweglichkeit der Iris durch Licht¬ 
reiz auf das amaurotische Auge verloren hat, dass die Iris dieses 
Auges sich aber bewegt, wenn das Licht auf das andere gesunde 
Auge einfällt. Es folgt ferner aus Mayo’s Versuchen, dass die 
allgemeine Sensibilität des Auges vom Nervus trigeminus ab¬ 
hängt, der durch Zweige des Nervus ophthalmicus die Sensi¬ 
bilität der Conjunctiva, durch die lange Wurzel des Gan¬ 
glion ciliare die Sensibilität im innern Auge bewirkt. Die sym¬ 
pathischen Zweige beherrschen die Ernährung des Auges; wir 
haben schon gesehen, wie der Nervus sympathicus durch seine 
Verbindung mit dem Ganglion ciliare Einfluss auf die Ernährung 
des Auges hat, und nach der Zerstörung des Ganglion cervicale 
supremum Augenentzündung mit Exsudation folgt. S. oben p. 675. 
Die Section des Nervus trigeminus bat bei den Kaninchen, Meer¬ 
schweinchen, Hunden, Katzen, nach Magknbte’s Versuchen Un¬ 
beweglichkeit der Iris zur Folge; und die Pupille ist bei den 
Hunden und Katzen weit, eng bei den Kaninchen und Meer¬ 
schweinchen. Desmoüi.in’s Anat. des syst. nerv. T. 2. p. 712. 
Hier muss eine Rückwirkung auf das Gehirn stattfinden. 
Wir können uns jetzt mit der Art des Einflusses des N. ocu- 
lomotorius auf die Bewegung1 der Iris beschäftigen, worüber ich 
mehrere eigenthümliche Beobachtungen gemacht habe. Der N. 
oculomotorius bewirkt häufig eine Contraction der Iris, sobald er 
willkührlich thätig oder unwillkürlich afficirt ist. Da der N. 
oculomotorius von den graden Augenmuskeln nur den Rectus ex- 
ternus nicht versieht, so kann man also bei willkührlicher Dre¬ 
hung des Auges nach aussen gewiss seyn, dass der N. oculo¬ 
motorius nicht thätig ist; bei willkührlicher Drehung des Auges 
nach innen, dass der N. oculomotorius thätig ist. Man w’ird sich 
aber überzeugen, dass die Pupille bei gleicher Lichtintensität klei¬ 
ner wird, sobald das eine Auge geschlossen ist und das andere 
ganz nach innen gedreht wird, dass die Pupille grösser wird, 
sobald das Auge nacli Aussen gedreht wird. Hieraus geht unwi¬ 
derleglich hervor, dass bei jeder willkührlichen Bewegung des 
Auges, wobei der Zweig des N. oculomotorius zum innern graden 
Augenmuskel thätig, die Iris mit thätig ist, und dass sie unthätig, 
die Pupille weit wird, wenn der N. abcVicens wirkt. 
Wird das eine Augen nach aussen, das andere nach innen 
gedreht, so bemerkt man keine auffallende A eränderung der 
Pupille, wegen der entgegengesetzten Bedingungen. Convergiren 
beide Augen stark, so ist die Verengung der Pupille am stärksten, 
mag man nun einen seitlichen nahen, oder einen geraden na¬ 
hen Gegenstand befrachten; je mehr die Augen dagegen pa¬ 
rallel stehen, und die Musculi recti intern!, welche vom Nervus 
oculomotorius abhangen, unthätig werden, um so weiter wird 
die Pupille. 
Durch den Zusammenhang der motorischen Wurzel des Gan¬ 
glion ciliare mit dem N. oculomotorius kann man daher die 1>1S 
sympathisch willkührlich verändern, d. Ii. die Ins zieht sich von 
selbst zusammen, sobald die Willkühr auf den N. oculomotorius a "
        

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