Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Erster Band, dritte verbesserte Auflage
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17251/744/
5. Mechanik des N. sympathicus. Unwillkürliche Bewegungen. 739 
Jang; der Darmkanal setzt ausgeschnitten seine peristaltischen 
Bewegungen fort. Man sah den ausgeschnittenen Eierleiter einer 
Schildkröte seinen Inhalt noch nustreiben. 
III. Daher haben alle vom IS. sympathicus versehenen bewegli¬ 
chen Theile eine gewisse Unabhängigkeit von dem Gehirn und Rük- 
Jtcnmark. Wie weit diese geht, ist schon im I. Buch p. 193. un¬ 
tersucht worden. Als Hauptresultat können wir hier erwähnen, 
dass nicht allein das Herz nach Zerstörung des Gehirns und 
Rückenmarkes noch lange schw'ach schlagt, sondern dass es auch 
constatirte Falle von Embryonen giebt, bei welchen sowohl das 
Gehirn als das Rückenmark wahrend des Lebens im Ei langsam 
zerstört worden sind. Siehe Eschkiciit über Gesichtsverdoppelung 
mit Mangel von Gehirn und Rückenmark. Mueller’s Archiv. 1834. 
p. 268. Vergl. oben p. 196. 
J V. Gleichwohl sind die Centralorgane des Nervensystems eines 
activai Einflusses auf die sympathischen Nerven, und ihre motori¬ 
sche Kraft fähig. Aus den Versuchen von Wilson und anderen, 
welche p. 195. angeführt sind, ergiebt sich, dass die Bewegungen 
der vorn N. sympathicus versehenen Theile zwar nach plötzlicher 
Zerstörung des Gehirns und Rückenmarkes nicht sogleich aufhö¬ 
ren, dass man aber doch bei unversehrtem Gehirn und Rücken¬ 
mark durch Verletzung und Reizung derselben auf die Art und 
«Schnelligkeit des Herzschlages einwirken kann; wie denn Wil¬ 
son Philip durch Auftröpfeln von Weingeist und Tabaksinfusum 
auf das Gehirn der Thiere die Bewegungen des Herzens beschleu¬ 
nigt haben will. S. oben p. 194. Viel augenscheinlicher ist die 
Wirkung der Leidenschaften. 
V. Nach den Versuchen von Philip haben auch nicht ein¬ 
zelne Theile des Gehirns und Rückenmarkes allein auf einzelne 
Theile des sympathischen Systems und der von ihm abhängigen 
Bewegungen, wie des Herzens, Einfluss, sondern das Gehirn und 
das ganze Rückenmark oder jede Strecke desselben können die Be¬ 
wegungen des Herzens verändern. Die Reizung gewisser Theile 
des Rückenmarkes bedingt zunächst nur die Bewegungen gewis¬ 
ser willkührlicher Muskeln, welche gerade dorther ihre Nerven 
erhalten; bei den unwillkührlichen Bewegungen scheint aber je¬ 
der Theil des Rückenmarkes auf den Gangliennerven wirken zu' 
können. Die Erklärung dieses Unterschiedes, der übrigens noch 
nicht hinlänglich festgestellt ist, könnte eine doppelte seyn. Man 
kann nämlich entweder das Rückenmark oder den Ganglienner¬ 
ven selbst als Ursache der Irradiation ansehen. Im ersten Falle 
bleiben die Fasern des Gangliennerven, welche zum Herzen ge¬ 
langen, ohne Wechselwirkung mit den Nervenfasern anderer Theile 
und die Verbreitung der Irradiation findet im Rückenmark selbst 
statt, so dass von da aus die Nervenfasern verschiedener Theile 
bi Mitaffection gesetzt werden. Im zweiten Falle werden die Gan¬ 
glien als Ursache der Wechselwirkung angesehen. Wir müssen 
uns gestehen, dass wir über diese wichtigen Fragen noch gar 
keine sicheren direclen Versuche haben. 
Ich galvanisirte den N. splanchnicus eines Kaninchens, den 
*eh durchschnitten, an dem peripherischen Ende, welches ich auf
        

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