Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Erster Band, dritte verbesserte Auflage
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17251/722/
3. Von der Reflexion in den Bewegungen nach Empfindungen, 717 
überein. Erstens müsste die Sehnerven Wurzel noch einmal so dünn 
als der Sehnerve seyn, und dann müsste jeder Punkt der Netz¬ 
haut das Ende einer Faser des Sehnerven seyn. Wenn diess wäre, 
so müssten im hintern Theil der Netzhaut noch alle Fasern zu¬ 
sammen liegen, die sich weiter vorn ausbreiten ; und es müsste die 
Netzhaut von hinten nach vorn an Dicke abnehmen. Auch müsste 
bei einer Verletzung der einen Seite des Gehirns immer die 
Hallte beider Augen gelähmt seyn, dagegen darauf entweder Blind¬ 
heit des einen oder des andern folgt und bei Thieren sogar jedes¬ 
mal Blindheit des entgegengesetzten Auges eintrill. 
III, Capital. Von der Reflexion in den Bewegungen 
nach Empfindungen. 
Die Bewegungen nach Empfindungen sind nicht bloss den 
älteren Physiologen, sondern den Aerzten überhaupt, zu allen 
Zeiten bekannt gewesen. Die meisten Physiologen leiteten sie 
nach Willis Vorgang von den Nervenverbindunge des Ganglien¬ 
nerven ab, welcher daher sogar den Namen Sympathicus behielt. 
Comparetti schrieb ein ganzes Werk zur Erklärung der krank¬ 
haften consensuellen Erscheinungen aus der Verbindung der Ner¬ 
ven. A. Comparetti occursus medici. Vendus 1780. Diese Er¬ 
klärungen nahmen die meisten Physiologen an und auch in der 
neuesten Zeit wandte man die in der Anatomie der Nerven er¬ 
weiterten Beobachtungen auf diese Weise an. Siehe Tiedemann 
Zeitschrift für Physiologie. I. 1825. Einige Physiologen waren 
dieser Erklärung schon in der altern Zeit abhold, wie Haller, 
Cullen, Whytt, Monrou. A. Cullen institutions of medecine. 
p. 1. Whytt über die Sympathie und die Krankheiten der Nerven 
(in der deutschen üebersetzung von Whytt’s summt liehen zur prakti¬ 
schen Arzneikunst gehörigen Schriften p. 241.) Whytt an essay on 
the vital another involuntary motions of animals. Edinb. 1751. p. 248. 
Monro Bemerkungen über die Structur und Verrichtungen des Ner¬ 
vensystems. Leipz. 1787. Whytt und Cullen erklärten die Er¬ 
scheinungen durch Mitwirkung des Sensoriums und als durch 
Empfindlingen bedingt. Auf eine exactere Weise und empirisch 
sind die Bewegungen auf Empfindungen erst in der neuesten Zeit 
untersucht worden. Mehrere wichtige Beobachtungen, weiche 
der Erklärung der Bewegungen nach Empfindungen durch den 
Sympathicus ungünstig sind, lieferte Mayo anatomical and physio¬ 
logical commentaries. London 1823. Man weiss, dass das Licht nur 
von der Retina aus die Iris bewegt. Diess hatte man zw'ar durch 
Verbindungen, welche zwischen dem N. opticus und sympathicus statt 
finden sollten, zu erklären gesucht. Mayo’s Versuche über die 
Augennerven, nämlich über Bewegungen der Iris, die vom Nervus 
oculomotorius ausgeführt werden, aber vom N. opticus (durch Zer¬ 
rung desselben) erregt werden, lassen aber keine andere Erklä¬ 
rung als durch Vermittelung des Gehirns zu. Nach DurChschnei- 
dung des N. opticus in der Schädelhöhle einer Taube, konnte
        

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