Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Erster Band, dritte verbesserte Auflage
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17251/715/
710 III. Buch. Nervenphfsik. III. Absehn. Mechanik d. Nervenprincips. 
ausgesetzten Eigenschaften der Ganglien der Empfindungsnerven. 
Bekanntlich haben alle eigentlichen Gefiihlsnerven ein Ganglion 
an ihrer Wurzel. Reil [Archiv fiir Physiol. Bd. 7.) verglich die 
Ganglien des Nervus synipathicus mit Halbleitern, welche die zu 
schwachen Eindrücke im Nervus synipathicus nicht zum Gehirn 
leiteten, während sie, wie ein Halbleiter der Elektricität grössere 
Mengen angehäufter Elektricität durchlässt, auch sehr heftige 
Reizungen leiten sollten, und welche auch den Einfluss des Ge¬ 
hirns und Rückenmarks auf den N. synipathicus nur beschränkt 
zulassen sollten. Diese Hypothese könnte man nun auch auf die 
Ganglien der Empfindungsnerven anwenden; man könnte sagen, 
diese graue Masse, durch welche die Primitivfasern ohne Neuri- 
lem durchgehen, ist als Halbleiter nicht im Stande, eine schwa¬ 
che Reizung der einzelnen Primitivfasern in sich selbst fortzu¬ 
pflanzen und den anderen, durch das Ganglion durchgehenden 
Fasern mitzutheilen, daher geschieht bei schwachen Empfin¬ 
dungen die Leitung von einer Empfindungsfaser nicht durch die 
graue Masse nach den Seiten, sondern nur durch die Primitivfaser, 
welche das Ganglion durchzieht, durch. Werden aber Empfindun¬ 
gen sehr heftig, so wird der Halbleiter des Nervenfluidnms zum 
Leiter, und lässt einen Theil jenes Princips auf die anderen, das 
Ganglion durchziehenden Primitivfasern überspringen, wodurch 
eine Irradiation der Empfindung, eine Mitempfindung entsteht. 
2) Die zweite Erklärung der Mitempfindungen nimmt auf diese 
bloss vorausgesetzte und urierwiesene Eigenschaft der Ganglien der 
Empfindungsnerven keine Rücksicht; sie leitet die Mitempfindung 
von Irradiation der Reizung im Rückenmark oder Gehirn seihst ah, 
auf ähnliche Art, wie hei den reflectirten Bewegungen von dem 
Empfindungseindruck im Rückenmark sich eine Irradiation bis zu 
den motorischen Nerven bildet (Cap. III.). Hier wäre nur der Un¬ 
terschied, dass die Irradiation des ursprünglichen Empfindungsein¬ 
druckes im Rückenmark nicht zu motorischen Nerven, sondern zu 
den in der Nähe entspringenden anderen Empfindungsfasern, oder 
wenigstens ausser den motorischen Nerven auch zu Empfindungs¬ 
nerven gelangte. Für die Richtigkeit dieser letztem Erklärung 
spricht die Analogie der Irradiation der Empfindungseindrücke im 
Rückenmark bis zu motorischen Nerven, und zugleich der Um¬ 
stand, dass auch Empfindungsnerven ohne Ganglien, wie die Mark¬ 
haut des N. opticus bei der Lichtempfindung, der Irradiation fä¬ 
hig sind, also die erste Erklärung nicht ausreicht. 
Wie soll man sich nun die secundäre Erregung der anderen Em¬ 
pfindungsfasern oder Empfindungsnerven vom Gehirn und Rücken¬ 
mark aus denken? Durch Reflexion vom Gehirn und Rückenmark 
aus? Geht in diesen Nerven ein Strom vom Gehirnende oder Rük- 
kenmarksende des Nerven bis zum peripherischen Ende des Nerven 
und wieder rückwärts, oder wird durch Reflexion, wenn kein Strö¬ 
men, sondern Oscillation des Nervenprincips stattfindet, vom Gehirn 
aus ein zweiter Nerve in Oscillation gesetzt? Höchstwahrscheinlich 
findet jedenfalls eine Reflexion vom Rückenmark oder Gehirn auf 
einen Empfindungsnerven statt. Doch muss man bemerken, dass zu
        

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