Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Erster Band, dritte verbesserte Auflage
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17251/703/
698 III. Buch. Neroenphysik. III. Absehn. Mechanik d.Nervenprincips. 
der Operation nicht gebraucht werden, und batte nur unvoll¬ 
kommene Empfindungen. Swan bemerkt hierbei mit Recht, wenn 
die vermeinte Communication auch nur in einem geringen Grade 
vorhanden wäre, würden dann nicht die Anastomosen, welche 
zwischen dem Tlieil des Ulnarnerven, der unterhalb der Trennung 
liegt, und dem Nervus mediauus und radialis stattfinden, eine 
hinlängliche Verbindung jen'es Theiles mit dem Gehirn unter¬ 
halten haben, wenn jenes Fortleiten des Nerveneinflusses so 
leicht wäre? a. a. O. p. 68. Swan erzählt p. 69. einen andern 
Fall, wo nach einer Schnittwunde am Vorderarm, drei Zoll vom 
Handgelenk, wobei der N. radialis und medianus durchschnitten 
worden zu seyn schienen, im Daumen und den beiden nächsten Fin¬ 
gern, so wie in den Theilen der Hand, welche diesen entspre¬ 
chen, auf dem Rücken und in der Fläche das Gefühl verloren 
war, dagegen in dem 4. und 5. Finger und in den Theilen der 
Hand, in welchen sich der N. ulnaris vertheilt, das Gefühl erhal¬ 
ten war. 
Wenn daher Nerven vielfache Anastomosen zu bilden schei¬ 
nen, und in den Bündeln desselben Stammes oft von Zoll zu Zoll 
Anastomosen ihrer Scheiden eingehen, während die Primitivfasern 
parallel fortgehen, so hat die Natur nichts den Anastomosen der 
Gefässe Gleiches gebildet, sondern vorgesehen, dass dieselben 
Theile Primitivfasern von verschiedenen Nerven aus erhalten. 
Diese Anordnung war darum um so nützlicher, als sonst durch 
Verletzung eines Nerven die Verbindung eines Theiles mit dem 
Gehirn ganz aufgehoben wäre. 
IV. Verschiedene Theile, in der Dicke eines Empfindungsnerven 
gereizt, bewirken dieselben Empfindungen, ovie wenn verschiedene End¬ 
zweige dieser Theile des Stammes gereizt werden. Beweis. Wenn 
man den N. cubitalis auf die schon beschriebene Art an sich 
selbst mechanisch reizt, besonders indem man ihn mit den Fin¬ 
gern drückend hin und her schiebt, so hat man die Empfindung 
von Prickeln, Nadelstechen in der Hohlhand, im Rücken der 
Hand und am 4. und 5. Finger. Aber je nachdem man gerade 
drückt, tritt das Prickeln bald am 4., bald am 5. Finger, bald 
in der Hohlhand, bald auf dem Rücken der Hand ein, und in 
der Hohlhand wie auf dem Rücken derselben wechselt auch der 
Ort des prickelnden Punktes, je nachdem sich der Druck am 
N. cubitalis ändert, also verschiedene Fasern dieses Nerven oder 
Faserbündel mehr gedrückt werden als andere. So wird man 
es auch finden bei Reizung der Nervenstämme am Oberarm; al¬ 
lein beim N. cubitalis lässt sich gerade am besten der Druck 
auf verschiedene Theile in der Dicke des Nerven isoliren, je 
nachdem man bald drückt, bald den Nerven in der Furche am 
Condylus internus bumeri am Ellbogen mit dem Finger der an¬ 
dern Hand hin und her schiebt. So habe ich auch durch hefti¬ 
gen Druck auf den N. infraorbitalis an der Austrittsstelle aus 
dem Foramen infraorbitale das Prickeln an der Wange und der 
Oberlippe an verschiedenen Stellen empfunden, je nachdem der 
Druck und das drückende Hin- und Herschieben wechselte. Die 
Application des Druckes auf den N. infraorbitalis ist übrigens
        

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