Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Erster Band, dritte verbesserte Auflage
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17251/699/
694 III. Buch. Nereenphysik. III. Abschn. Mechanik d. Nereenprincips. 
beider Augen sich verengt, wenn nur Ein Auge ganz nach innen 
gestellt wird, das andere aber seine gerade Stellung behält. Ich 
besitze das Vermögen, die Iris durch Einwärtswenden der Au¬ 
gen zu verengern, was jeder Mensch bat, in einem ganz ausser¬ 
ordentlichen Grade. Schliesse ich Ein Auge A und sehe mit 
dem andern B gerade aus und unverwandt, so bewege ich die 
Iris des unverwandten Auges B ganz nach Willkühr, je nachdem 
ich das bedeckte Auge A einwärts oder auswärts drehe. Hier 
ist die Ursaohe der wunderbaren Bewegung verdeckt, und die 
Bewegung erscheint'um so auffallender, als das Auge, worauf die 
verborgene Ursache mitwirkt, ganz unverwandt ist. Sogleich 
wird aber dem Beschauer die Ursache offenbar, sobald ich das 
Auge B öffne, wo man dann sieht, dass ich, sobald ich die Iris 
in dem unverwandten Auge B verengern will, das Auge A nach 
innen steile. Offenbar muss nun im Gehirn eine durch die La¬ 
gerung der Fasern bedingte Intention seyn zur Association der 
Wirkungen in den Primitivfasern der N. öculomotorii, welche 
in die kurze Wurzel des Ganglion ciliare gehen. Ein interes¬ 
santes, nach unseren Principien leicht erklärbares Factum ist die 
Verengerung der Iris beider Augen im Schlafe. Diess ist auch 
eine Mitbewegung, deren Ursache die Stellung der Augen nach 
innen und oben im Schlafe ist, wo mit der Thätigkeit des ent¬ 
sprechenden Zweigs des Oculomotorius auch die Mitreizung der 
zum Ganglion ciliare gehenden Fasern des Oculomotorius vom 
Gehirn aus erfolgt. Ausser der Iris haben noch viele an¬ 
dere Muskeln beider Seiten die Tendenz zur Association ihrer 
Bewegungen vom Gehirn aus. So sind die Augenmuskeln zur 
Mitbewegung geneigt, denn es ist unmöglich, das eine Auge ab¬ 
wärts, das andere aufwärts, oder beide zugleich nach auswärts 
zu stellen. Immer bewegt sich das eine Auge unwillkührlich nach 
einwärts, wenn das andere nach ausw'ärts gedreht wird. Aus¬ 
führlicher werden wir davon im zweiten Bande dieses Werkes 
in der Lehre von den Bewegungen handeln. Es gehört Uebung 
dazu, ein Auge allein offen zu halten, also bloss den Musculus 
levator palpebrae superioris einer Seite durch den Nervus oculo¬ 
motorius zu bewegen. Wenige Menschen können die Gesichts¬ 
muskeln der einen Seite durch den N. facialis anders wirken 
lassen als auf der andern Seite. Ich vermag die Ohrmaskein zu 
bewegen, selbst die kleineren, wenigstens ganz deutlich den Muse, 
an titra gi eus ; aber wenn ich diess an einem Ohre thun will, ge¬ 
schieht es immer zugleich an dem andern Ohre. Ich weiss nicht, 
ob ein Mensch den Muse, stylohyoideus einer Seite allein bewe¬ 
gen kann. Selbst am Rumpfe zeigt sich eine ähnliche Tendenz 
zur gleichzeitigen Bewegung derselben Muskeln, aber viel gerin¬ 
ger; die Bauchmuskeln und Dammmuskeln, das Zwerchfell wirken 
last immer von beiden Seiten zugleich, und selbst die Nerven 
und Muskeln der Extremitäten, wenn sie auch in dieser Hinsicht 
freier sind, entziehen sich doch dem allgemeinen Gesetze nicht 
ganz; wenigstens ist es bekanntlich schwer, entgegengesetzte ro- 
tirende Bewegungen einer gewissen Richtung z. 13. um eine ge¬ 
meinschaftliche Querachse, mit beiden oberen oder beiden unte-
        

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