Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Erster Band, dritte verbesserte Auflage
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17251/696/
4. Mechanik der motorischen Nerven. Gesetze der Leitung. 691 
wurden. Nach Durchschneidung des N. inguirjalis führte der 
Frosch noch alle Bewegungen mit den Beinen aus, mit Ausnahme 
der Anziehung des Oberschenkels zu dem Bauche. Nach Durch- 
schneidung des zweiten Nerven vor dem Plexus hörte alle Bewe- 
gung der Muskeln des Oberschenkels und Unterschenkels auf, 
während die Bewegung am Fusse noch unversehrt blieb. Wurde 
der Verbindungszweig des N. inguinalis mit dem zweiten Nerven 
durchschnitten, so konnte der Frosch nicht mehr das Bein zum 
Unterleib anziehen; nach der Durchschneidung des N. inguinalis 
unter dieser Verbindung wurde dasselbe beobachtet. Wurde der 
N. ischiadicus von seinen beiden Wurzeln aus eingeschnitten 
oder der Länge nach getheilt, so war die Folge dieselbe, als wäre 
der ganze Stamm des N. ischiadicus durchschnitten worden, wor¬ 
aus van Deen schliesst, dass innerhalb der Verbindung beider 
Nerven eine Kreuzung der Nervenfasern beider Nerven statt- 
linde; denn es waren sowohl der Oberschenkel als Unterschenkel 
und Fuss gelähmt. Nach Durchschneidung des dritten Nerven, 
der die zweite Wurzel des N. ischiadicus bildet, war der Fuss 
(und Unterschenkel grossentheils) gelähmt. Durch Durchschnei¬ 
dung des zweiten Nerven oder der ersten Wurzel des N. ischia- 
diens hörte die Flexion und Extension des Oberschenkels auf, 
während die Bewegung am Fusse und untern Theile des Un¬ 
terschenkels fortdauerte. Die Versuche von Kbonenberg weichen 
im Einzelnen etwas ab, führen aber zu demselben Resultate. Ehen 
so dessen Versuche an den Nerven, welche den plexus brachiatis 
zusammensetzen. Plexuum nervorum structura et virtutes. Berol. 
483G. Dass im Verlauf eines Nerven keine Mittheilung aus ei¬ 
ner Faser in die andere stattlinde und dass die im Verlauf eines 
Nerven beständige Plexusbildung keine Ursache zur Mittheilung 
wird, beweist der Verf. durch einen sehr guten Versuch. Er 
schnitt den Nerven eines Frosches auf einer Seite bis fast zum 
Bande durch. Etwas davon entfernt schnitt er den Nerven noch 
einmal, aber auf der entgegengesetzten Seite bis fast zum Rande 
durch. Durch Reizung des Raumes über dem ersten Schnitt 
war es nun nicht möglich, das unter’ dem zweiten Schnitte lie¬ 
gende Stück der Muskeln und Nerven in Tbätigkeit zu setzen. 
Der Zwmck des Plexus der Nerven scheint in Beziehung auf die 
motorischen Nerven zu seyn, jedem Muskel Fasern von verschie¬ 
denen Stellen des Gehirns und Rückenmarks zuzuführen. Diess 
wird z. B. durch den plexus brachialis erreicht, wie die genauere 
Zergliederung desselben zeigt. Dann mögen die Plexus auch zur 
Mischung sensorieller und motorischer Fasern je nach dem Be¬ 
dürfnis der Theile bestimmt seyn. 
In den vorhergehenden Erfahrungsgesetzen ist bewiesen, dass 
die Bündel der Primitivfasern, die in einen Stamm treten, in den 
Stämmen isolirt ihre Kräfte äussern, ohne die übrigen Primitiv¬ 
erem zu erregen. Aber selbst einzelne Theile eines Muskels 
können sich isolirt zusammenziehen, wie die einzelnen Portionen 
der Flexores communes und des Extensor communis digitorum 
Ur die einzelnen Finger. Der Musculus médius hat ganz ver¬ 
schiedene Wirkungen, je nachdem sich sein vorderer oder hin-
        

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