Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Erster Band, dritte verbesserte Auflage
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17251/613/
608 III. Buch. Nervenphysik. I. Ahschn. Eigenschaften d. N.im Allgem. 
merkt ist, gilt auch von dein Plexus zweier verschiedener Ner¬ 
ven. Ich habe mit aller Mühe vor einigen Jahren die Verbin¬ 
dungen des N. facialis mit dem N. infraorbitalis im Gesicht des 
Kaninchens und Schafes zergliedert, und mich durch genaue gra¬ 
phische Aufnahme des Verlaufs der Primitivfasern beider Ner¬ 
ven überzeugt, dass sich die Fasern bloss aneinander legen, in 
neuen Bündeln sich vertheilen. Von diesen Principien betrach¬ 
tet, muss man sich also die Primitivfasern aller Cerebro-Spinal¬ 
nerven vom Ursprung bis zum Ende isolirt denken, und als 
Strahlen von der Achse des Nervensystems ansehen. Genau ge¬ 
nommen gehen auch diese Strahlen beinahe in einer Linie je- 
derseits vom Rückenmark aus, nur von Stelle zu Stelle wird 
bloss eine Summe dieser in einer fast zusammenhängenden Linie 
entspringenden Fasern in ein Bündel zusammengefasst, wie es 
nämlich für die Verfheilung derselben an ihre peripherischen 
Stellen am becpiernsten ist. 
Diese Ergebnisse eigener Beobachtung habe ich seit Jahren 
in meinen Vorlesungen vorgetragen; im Jahre 1830 hatte ich 
Gelegenheit, sie Herrn Professor Schroeder van der Kolk in Ut¬ 
recht mündlich mitzutheilen, indem ich denselben aulforderte, 
diese Beobachtungen zu prüfen, jetzt haben diese Ansichten, 
die mit denen von Fontana und Prévost und Dumas überein¬ 
stimmen, durch das Gewicht derselben Beobachtungen von Sei¬ 
ten meines berühmten Collegen Ehrenberg in mir noch mehr 
sich befestigt. Ausführlich hat über diesen Gegenstand gehan¬ 
delt Kronenberg plcxuum nervorum structura et virtutes. Berol. 
1836. Das hier Erwähnte gilt übrigens bloss von den weissen 
Fasern der Cerebrospinalnerven und des Sympathicus. Denn von 
den grauen Fasern ist es ziemlich wahrscheinlich, dass sie (we¬ 
nigstens durch die Ganglien) untereinander Zusammenhängen. 
Endigung der Nerven. Ueber die Endigungen der Nerven 
haben Treviranus, Gottsche, Valentin, Emmert, Buriiacu d. jün¬ 
gere und Schwann gearbeitet. Die Hauptfrage ist hier, ob die 
Nervenfasern sich unter einander verbinden oder isolirt endigen. 
Entweder biegt eine Nervenfaser regelmässig in eine zweite rück- 
laufende um, so dass immer zwei schlingenförmig verbunden sind, 
«der die Fasern verbinden sich zuletzt zu einem Netzwerk nach 
Art der Blutgefässe, oder die Fasern endigen sämmtlich isolirt 
und ohne Verbindungen. Das erste Verhalten fanden Prévost, 
Dumas, Valentin, Emmert an den Muskelnerven, Brf.sciiet, Va¬ 
lentin, Burdach an den sensoriellen Nerven; das ziveite Verhal¬ 
ten beobachtete Schwann im Mesenterium des Frosches und der 
Feuerkröte und im Schwänze der Krötenlarven, das dritte Ver¬ 
halten entdeckte Treviranus, im Auge und Ohr und dasselbe ist 
von Gottsciif. bestätigt. 
Es scheint, dass Prévost und Dumas die Primitivfasern selbst 
in den Muskeln nicht untersucht haben. Dagegen beobachteten 
Valentin und Emmert das schlingenförmige Umbiegen einer Fa¬ 
ser in eine zweite rücklaufende in den Muskeln. Valentin No». 
act. nat. cur. XVIII. />. 1. 51. Emmert über die Endigungsweise 
der Nerven in den Muskeln. Bern 1836. 4. Dasselbe Verhalten
        

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