Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Erster Band, dritte verbesserte Auflage
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17251/607/
602 III. Buch. Neroenphysik. I. Abschn. Eigenschaftend. N.im Allgem. 
schieden und oft sind sie sehr viel feiner, besonders die grauen 
organischen Fasern. Die Capillargefässe verbreiten sich nicht mehr 
auf den Primilivfasern der Nerven, denn sie sind selbst stärker 
als diese, und sie gehen mit ihren Netzen nur zwischen diesen 
Elementarfäden hin. 
Fontana scheint der erste gewesen zu seyn, welcher eine 
.-ranz richtige Vorstellung von dem feinem Bau dieser Primitiv¬ 
fasern hatte. Fontana über das Viperngift. Berlin 1787. 369. Er 
unterschied an den Primitivfasern eine äussere Röhre und einen 
festen Inhalt der Röhre, die Röhre ist hei starken Vergrösserun- 
gen runzelig, der darin liegende Faden ist glatt, homogen. Es 
gelang ihm an einzelnen Cylindern die Röhre von dem festen 
Inhalte abzusondern, p. 369. heisst es: „Die Nerven oder ihre 
Enden waren im Wasser und ich schob die Spitze der Nadel 
längs dem Nerven hinunter, urn die Cylinder zu zerreissen, oder 
sie einigermassen von den Ungleichheiten zu befreien, von denen 
die Rede ist; und in der That gelang es mir endlich einen zu 
zu sehen, welcher die Gestalt hat, die man in der Fig. 6. sieht. 
Ungefähr die Hälfte dieses Cylinders bestand aus einem durch¬ 
sichtigen und gleichförmigen Faden und die andere Hälfte war 
fast doppelt so dick, nicht so durchsichtig, ungleich, höckerig. 
Ich vermutlieie jetzt, dass der ursprüngliche Nervencylinder aus 
einem durchsichtigen Cylinder bestände, der kleiner, gleichförmi¬ 
ger und mit einer andern Substanz vielleicht von zellenhäutiger 
Natur bedeckt wäre. Die Beobachtungen, die ich seit der Zeit 
machte, bestätigten mich immer mehr in dieser Hypothese, welche 
endlich eine ausgemachte Wahrheit wurde. Ich habe in vielen 
Fällen diese beiden Theile gesehen, welche den ursprünglichen 
Nervencylinder ausmachen. Der eine ist ganz auswärts ungleich 
und höckerig; der andere ist ein Cylinder, der aus einer beson- 
dern, durchsichtigen, homogenen Haut gebildet zu seyn scheint, 
welche mit einer gallertartigen Feuchtigkeit, die eine gewisse 
Consistenz hat, angefüllt ist.” Fontana stellt dann die ursprüng¬ 
lichen Cylinder in Abbildungen dar, wo sie stellenweise von der 
Röhre noch bedeckt, stellenweise von der Röhre unbedeckt sind. 
Mit diesen Beobachtungen von Fontana stimmen die neueren von 
Reuak. ganz überein, welcher selbst zuerst auf diese Stelle von 
Fontana aufmerksam macht. Er sah den Inhalt der Nerven¬ 
röhren als einen wenig schmälern ganz soliden Faden oder als 
ein plattes blasses Band, das sich von der leicht runzelnden Röhre 
in grossen Strecken durch Druck isoliren lässt. Es ist ihm nicht 
gelungert, eine feine faserige Structur an diesem Band zu erken¬ 
nen; gleichwohl zersplittert es zuweilen. Mueli.. Archiv. 1837. p. 1b . 
Bei der grossen Stärke der sogenannten Primitivfasern der Nerven 
gegen die viel feinem Elementartheile der Muskeln, des Zellgewebes 
u. a. Gewebe ist es noch zweifelhaft, ob man den in der primitiven 
Nervenröhre enthaltenen Faden für das feinste Element der Nerven 
halten kann. Schwann sah in Fasern von der Dicke der Pri¬ 
mitivfasern im Mesenttrium des Frosches noch viel feinere Fa¬ 
sern und sie aus jenen hervorgehen. Treviranus sah in man¬ 
chen Nervenröhren der Länge nach Streifen herablaufen, er sah
        

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