Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Erster Band, dritte verbesserte Auflage
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17251/583/
578 II. Buch. Organ, ehern. Processe. IV. Âhschrdtt. Verdauung. 
beträgt höchstens 1,55 Pfund Troy = 1,275 Pfund avoir du pois 
= 20^ Unzen avoir du pois. Fügt man dazu 10’- Unzen Koh¬ 
lenstoff, so liât man 30f Unzen für das in einem Tage aus den 
Lungen ausgeathmete Wasser nebst Kohlenstoff, und zieht man 
diese von 37| ab, so bleiben für die unmerkliche Ausdünstung 
aus der Haut 6| Unzen täglich, welche aus circa fjt Unzen Was¬ 
ser und ~ Unze Kohlenstoff bestehen werden. Daher würde 
man durch das Athemholen fünfmal mehr Substanz als durch die 
ganze Körperoberfläche verlieren. 
In den 6 Pfund Nahrungsstoffen, die man täglich zu sich 
nimmt, rechnet Dalton gegen 1 Pfund Kohlenstoff und Stickstoff 
zusammengenommen; das Uebrige ist grösstentheils Wasser. 
Die Ausscheidung fremdartiger, in den Kreislauf aufgenomme¬ 
ner Stoffe geschieht nicht durch alle Oberflächen zu gleicher 
Zeit und gleich stark. Es zeigt sich vielmehr, dass eins oder 
das andere der Ausscheidungsorgane eine grössere Anziehung ge¬ 
gen gewisse fremdartige Stoffe äussert, und dieselben leichter 
ausscheidet als andere. So haben Magendie (bulletin de la société 
philom. 1811.) und Tiedemann (Zeiischr. für Physiol. S. 2.) gezeigt, 
dass Alkohol, Kampher, Terpentingeist, Moschus, Schwefelkohlen¬ 
stoff, Phosphor durch die Lungen nus dem thierischen Körper 
ausgeschieden werden. Nach Injection einer Auflösung von Phos¬ 
phor in die Venen eines Thiers, stossen die Lungen Wolken von 
weissen Dämpfen aus, welche im Dunkeln leuchten. Dagegen 
werden salinische Stoffe und manche Färbestoffe leichter durch 
die Harnabsonderung, verändert oder unverändert, ausgestossen. 
Im Allgemeinen kann man sagen, dass diejenigen Stoffe, welche 
durch ein Ausscheidungsorgan in der Regel ausgeschieden wer¬ 
den, auch leicht Reize seiner Thätigkeit seyn können, und es 
lässt sich aus dieser Bemerkung die harntreibende Wirkung der 
Neutralsalze aus dem Umstande herleiten, dass diese Salze eben 
durch die Nieren meist unverändert wieder ausgeschieden werden. 
Woehler (Tiedemann’s Zeitschrift. I. Bd.) hat ausgedehnte 
Untersuchungen über den Uebergang fremdartiger, in den Or¬ 
ganismus aufgenommener Stoffe in den Harn angestellt, welche 
im Artikel von dem Harn ausführlicher initgetheilt werden. 
I. Hautausdünstung und S c h w e i s s. 
Die äussere Haut ist der Sitz einer zweifachen Absonderung, 
von Fettabsonderung und von Ausdünstung; erslere findet in den 
Folliculis sebaceis der Haut statt, sie ist noch nicht untersucht. 
Beim Fötus bildet sie einen salbenartigen Ueberzug der Haut, 
Vernix caseosa, und besteht nach Frommherz und Gtjgert aus ei¬ 
nem innigen Gemenge von einem dem Gallenfette ähnlichen Fett 
und Eiweiss, welches letztere indess vom Liquor amnii herrüh¬ 
ren kann. 
Die Quellen der wässrigen, dunstförmigen Absonderung sind 
die Haut und die Lungen. Bei stärkerer Bewegung und grös¬ 
serer äusserer Wärme, und in verschiedenen Krankheiten, auch
        

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