Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Erster Band, dritte verbesserte Auflage
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17251/542/
5. Veränderungen der Speisen im Darmkanal. Magenverdauung. 537 
mont eine neue Portion Nahrung heraus. Diese verhielt sich in 
Hinsicht der fortgeschrittenen Verdauung last eben so wie hei 
der künstlich fortgesetzten Verdauung: Bei der letztem waren 
fast alle Partikeln von Fleisch verschwunden und in ein rötldich- 
braunes Sediment verwandelt, während lockere, weisse Coagula 
an der Oberfläche der Flüssigkeit schwammen. Bei der zuletzt 
herausgenommenen Portion wurde die künstliche Verdauung fort¬ 
gesetzt. Nach 3 Stunden vom Anfänge des Versuchs hatte die 
Verdauung in beiden Gefässen gleiche Fortschritte gemacht; am 
andern Morgen (der Versuch war um 3 Uhr Nachmittags begon¬ 
nen) war Alles verdaut bis auf einige Ueberbleibsel von Vegeta- 
bilien. Die Contenta der Gläser waren in dieser Zeit von der 
Consistenz einer dünnen Gallerte, von einer hellbraunen Farbe, 
salzigem und saurem Geschmack. 
Exp. 31. März 9. 1831. Beaumont gewann aus dem leeren 
Magen des St. Martin 2 Unzen Magensaft, theilte diesen in zwei 
gleiche Theile, und legte in jeden eine gleiche Quantität Roast¬ 
beef: Den einen Theil erwärmte er im Wasserbade bei 9.9° F., 
den andern liess er an der offenen Luft bei 34° stehen. Die¬ 
selbe Quantität Fleisch that er in eine gleiche Quantität Wasser 
und liess sie unerwärmt stehen. 1 Stunde darauf hatte St. Mar¬ 
tin sein Frühstück aus demselben Fleisch mit Zwieback, Butter 
und Kaffee geendet. Um 10Uhr nahmBEAUMONT eine Portion theil— 
weise verdauter Nahrung aus dem Magen und erwärmte sie wie 
gewöhnlich. Das Fleisch der künstlichen Verdauung und Wärme 
war in demselben Zustande wie das des Magens, das Fleisch des 
kalten Magensaftes war weniger verdaut, das Fleisch in dem blos¬ 
sen Wasser war nur macerirt, noch eben so wie nach dem Kauen. 
2 Stunden 45 Minuten nach Anfang des Versuchs war in dem 
Magen Alles verdaut und weggegangen. Da 6 Stunden nach dem 
Anfänge des Versuches die Fleischstückchen in dem Magensafte 
halb verdaut, nicht weiter aufgelöst waren, so nahm Beaumont 
12 Drachm. Magensalt aus dem leeren Magen des St. Martin, 
und setzte sie zu den künstlichen Verdauungen mit Magensaft, 
auch zu der Masse, die aus dem Magen genommen war. Darauf be¬ 
gann die Verdauung wieder und schritt regelmässig fort, aber 
schneller in der aus dem Magen genommenen Portion; in letzte¬ 
rer blieb indess ein solides Stück Fleisch, welches wahrscheinlich 
ungekaut verschlungen war, unaufgelöst. Die Gefässe mit kal¬ 
tem Wasser und kaltem Magensafte waren 8 Stunden nach An¬ 
fang des Versuchs wenig verändert. Nach 24 Stunden zeigten 
die Portionen folgende Erscheinungen: Die eine Stunde nach dem 
Essen aus dem Magen genommene Portion war vollständig ver¬ 
daut, und in eine dickliche, breiige Masse von röthlichbrauner 
Farbe verwandelt, mit Ausnahme des ungekauten Stücks Fleisch. 
Diese Portion hatte einen scharfen, ranzigen Geruch, und 
war etwas bitter. Die Portion Magensaft mit Fleisch war sehr 
ähnlich der erstem, obgleich weniger vollkommen verdaut; sie 
war nicht so consistent, aber von demselben scharfen Geruch 
und bitterem Geschmack, zugleich empyreumatisch und schwach 
faulig riechend. Die kalten PortioncnFleisch und Magensaft, Fleisch 
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