Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Erster Band, dritte verbesserte Auflage
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17251/513/
508 II. Buch. Organ, client. Proresse. IV. Abschnitt. Verdauung. 
Ueber die Quantität des Speichels hat Dr. C. G. Mitscher¬ 
lich bei einem Menschen mit einer Speicheliistel des Ductus Ste- 
nonianus Beobachtungen mitgetheilt. Die Ausscheidung hört hei 
vollkommener Ruhe der Kaumuskeln und der Zunge, und hei 
Mangel eines ungewöhnlichen Nervenreizes auf; unter den entge¬ 
gengesetzten Umständen wird sie hervorgerufen. Die Menge des 
abgesonderten Speichels beträgt hei einem gesunden Manne in 24 
Stunden aus einer Parotis 65 bis 95 Grammen, der aus dem Mund 
ausgeworfene Speichel von den 5 anderen Drüsen beträgt 6 Mal 
mehr als der Speichel einer Parotis. Mitscherlich über den Spei¬ 
chel des Menschen. Rust’s Mag. 1832. Schultz [de alimentorum 
concnctione. Bcrol. 1834.) sammelte aus dem Ductus Stenonianus 
eines Pferdes in 24 Stunden 55 Unzen und 7 Drachmen Speichel, 
wovon 12 Unzen auf die innerhalb 2 Stunden erfolgte erste Füt¬ 
terung, 10 Unzen 9 Drachmen auf die Zeit von 3 Stunden zwi¬ 
schen der ersten und zweiten Mahlzeit kommen. 
Ueber die chemische Natur des Speichels von Menschen und 
Säugethieren besitzen wir ausgezeichnete Arbeiten von Berzelius 
(Thierchemie), Gmelin (Tiedemann und Gmelin die Verdauung nach 
Versuchen. Heidelb. 1826.) und Mitscherlich (a. a. 0.). 
Der Mundspeichel ist ein fadenziehendes Gemeng von Spei¬ 
chel und Schleim. In einem hohen schmalen Gefäss gesammelt, 
trennt er sich nach Berzelius allmählig in eine obere, klare, 
farblose und eine untere Schicht, welche ein Gemenge derselben 
Flüssigkeit und einer weissen undurchsichtigen Masse ist. Mit 
Wasser verdünnter und geschüttelter Speichel lässt den Schleim 
vollständiger zu Boden fallen. In Hinsicht der sauren oder alka¬ 
lischen Reaction ist der Speichel sich nicht gleich. Tiedemann 
und Gmelin fanden ihn hei Menschen meist schwach alkalisch, 
zuweilen neutral, nie sauer. Sciiultze (yergl. Anat.) fand ihn heim 
Menschen sauer, wenn er lange in der Mundhöhle verweilt hatte, 
alkalisch immer hei Kindern. Speichel von Hunden und Scha¬ 
fen aus dem Stenon’schen Gang seihst aufgefangen fand Gmelin 
alkalisch. C. H. S chultz fand den Speichel des Menschen in der 
Regel alkalisch, so zwar, dass eine Drachme Speichel zur Satura¬ 
tion einen Tropfen Weinessig erforderte. Auch der Speichel des 
Pferdes war alkalisch. Nach der Saturation soll der Speichel 
allmählig wieder alkalisch werden. Dr. Mitscherlich fand den 
Speichel einer Speicheliistel während des Essens und Trinkens, 
und schon nach dem ersten Bissen, alkalisch, ausser dieser Zeit 
sauer. Die Alkalesccnz des Speichels soll nach Schultz von Am¬ 
monium herrühren; nach Mitscherlich dagegen giebt der frische 
Speichel auch heim Erwärmen kein Ammoniak, und das freie 
Alkali ist fix. 
Der Speichel enthält sehr sparsame Körnchen, wie Leuwenhoek, 
häutig, alier nicht immer auf, und die Wunde wird unterlaufen. Diese Sym¬ 
ptome treten schon nach einigen Minuten ein, der Tod erfolgt schnell oder 
innerhalb eines f ages, oder innerhalb II Tage. Bei der Section zeigen sich 
brandaiVige flecke in verschiedenen Einge weiden. Die Erzählungen von Ban¬ 
nen der I liiere durch den Blick der Schlangen sind Kabeln
        

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