Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Erster Band, dritte verbesserte Auflage
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17251/511/
506 II. Buch. Organ, chcm. Processe. IV. Abschnitt. Verdauung. 
dass der ins Blut gekommene Brechweinstein von den Blutgefässen 
aus auf die beim Erbrechen betheiligten Organe wirke. Allein 
es ist immer noch zweifelhaft, oh er mehr aut die organischen 
Excitatoren der Bewegungen, Gehirn, Rückenmark, und Nerven, 
oder unmittelbar auf die beweglichen Organe seihst wirkt. 
6) Bewegung des Darms. 
Die wurmförmigen oder peristaltischen Bewegungen des Darms, 
ebenso umyillkiihrlich w ie die des Magens, scheinen während des 
Lehens schwach, und sind nur in nervöser Heizung, die sich auf 
die Gedärme fortpflanzt, in der Dyspepsie und in krampfhaf¬ 
ten Bewegungen, namentlich hei einer Reizung und im Durch¬ 
fall schneller; hei eben geöffneten Thieren sind sie sehr unmerk¬ 
lich, sie verstärken sich aber schnell durch den Reiz der Luft 
zu einem ausserordentlichen Grade von Lebhaftigkeit; die Därme 
heben und senken sich, treiben ihren Inhalt weiter und im All¬ 
gemeinen immer mehr nach abwärts. Reizt man den Darm me¬ 
chanisch , chemisch, galvanisch, so zieht er sieh an dieser Stelle 
allmählig sehr eng zusammen, der höchste Grad von Zusammcn- 
ziehung erfolgt, wenn der Reiz schon aufgehört hat, und lässt 
allmählig ebenso wieder ah. Wendet man starke galvanische 
Reize auf den auf einer Glasplatte isolirten Nervus splanchnicus 
oder auf das Ganglion coeliaeum an, so versläiken sich die Be¬ 
wegungen allgemein; Durchsehneidung der Nervi vagi hebt diese 
Bewegungen so wenig als Verletzung der sympathischen Nerven 
auf, sie dauern au dem abgeschnittenen Darmkanal fort. 
Auf dem Wege durch den Darmkanal verliert der Darmin¬ 
halt durch Resorption allmählig immer mehr nahrhafte Theile, 
und es werden die Bieste als Excremente im Dickdarm immer con- 
sistenter. Der Schliessmuskel des Afters ist zu jeder Zeit ausser 
den Rothausleerungen contrahirt. Einen geringen Grad beständi¬ 
ger Contraction scheint derselbe mit allen Muskeln gemein zu 
haben, die man wenigstens dann erst erkennt, wenn ihre Anta¬ 
gonisten durchschnitten sind. Die Contraction des Sphincters 
ist aber besonders durch die Ansammlung des Roths und dessen 
Reiz im Mastdarm vermehrt; sie dauert so lange, bis sie durch 
den Andrang der Excremente überwunden wird ; die Contractionen 
des Sphincters sind der willkiibrlichen Verstärkung, aber nicht 
der willkührlichen Erschlaffung fähig. Die Expulsion der Excre¬ 
mente, und die den Widerstand des Sphincters überwindende Ge¬ 
walt kann in seltenen Fällen hei weichen Excrementen ohne Mit¬ 
wirkung der Rauchwände durch blosse (unwillkührliche) Contra¬ 
ction des Mastdarms erfolgen; wie Legallois und Beclard {Bull, 
de la far. et de la sor. de med. 1813. A. 10.) nach Wegnahme 
der Bauchmuskeln gesehen haben wollen. Gewöhnlich sind iu- 
dess die Zusammenziehungen des Zwerchfells und der Muskeln 
durch Einengung der Bauchhöhle mit Erhebung des willkübrlicb 
beweglichen Levator ani zur Rothentieerung noting. Alle diese 
Bewegungen willkührlicher Muskeln treten auch unwillkührlich 
und krainplhaft so gut wie heim Erbrechen ein, wenn der Reiz 
der Excremente auf den Mastdarrn anhaltend und sehr heftig ist. 
Jene Bewegungen können auch durch Verletzungen und Krank-
        

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