Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Erster Band, dritte verbesserte Auflage
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17251/50/
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Prolegomena. 3. Thier - Organismus. 
Gegenstände besitzen, docli Nerven zur blossen allgemeinen Un¬ 
terscheidung von Licht und Dunkel, und gerade die Existenz der 
Sehnerven zur allgemeinen Licbtemplindung bei einem Thiere, 
das wegen Mangel optischer Apparate nichts Bestimmtes unter¬ 
scheiden kann, beweist sehr, dass die Lichtempfindung doch im¬ 
mer noch an bestimmte Nerven gebunden ist. Siebe meine Beob¬ 
achtungen über den Bau der Augen bei den Nereiden, Annales 
des sciences nal. T. XXII. p. 19. 
Ich komme darauf zurück, dass nach den Beobachtungen 
von Ehrenberg über den Bau der Infusorien und nach meinen 
Erfahrungen über den Bau der einfachsten Augen, immer wahr¬ 
scheinlicher wird, dass alle Thiere ohne Unterschied Nerven be¬ 
sitzen. Wie schwierig sind doch schon die Nerven der Seesterne, 
ja mehrerer Mollusken, wie der Muscheln, zu untersuchen; wir 
dürfen also nicht zu viel Werth darauf legen, dass selbst grössere, 
einfache Thiere, wie die Actinien, die Medusen, uns keine deut¬ 
liche Spur dieser Zusammensetzung darbieten. 
Die Thiere unterscheiden sich aber nicht allein von den Pflan¬ 
zen durch das Empfinden und willkührliche Bewegungsvermögen. 
Diese Attribute modificiren auch noth wendig die übrigen Eigen¬ 
schaften, welche die Thiere mit den Pflanzen gemein haben. Diess 
hat Cuvier in der Einleitung zur vergleichenden Anatomie sehr 
schön ausgeführt. Die Gewächse, an den Boden geheftet, absor- 
biren unmittelbar durch ihre Wurzeln die ernährenden Theile 
der in sie eindringenden Flüssigkeiten, die Thiere hingegen, die 
meist nicht an ihren Aufenthaltsort gebunden, ihn vielmehr ganz 
verändern oder wenigstens als Polypen eines festen Stammes du e 
Beute ergreifen, mussten den ihnen zur Ernährung nöthigen Vor¬ 
rath von Säften mit sich fortnehmen können. Die allermeisten 
haben eine innere Höhle erhalten, in welche sie die zu Nahrungs¬ 
mitteln bestimmten Stoffe bringen, und in deren Wänden die ein¬ 
saugenden Gefässe bei den höheren Thieren wurzeln, welche nach 
einem sehr passenden Ausdruck Boerhave’s wahrhafte innere Wur¬ 
zeln sind. Cuvier vergl. Anat. T. I. p. 11. Bei einigen Thieren 
fehlt der After, bei anderen ist selbst der Darm zweifelhaft. Doch 
sollen die Bandwürmer nach Meiilis, gegen die gewöhnliche An¬ 
nahme, einen gefassartigen, von der engen Mundöfl’nung begin¬ 
nenden, bald gabelig getheilten Darm haben. Bei den Echino- 
rynchen soll ein bekannter enger, zweischenkelig gespaltener Canal 
der Dann seyn. Eine besondere, zur ersten Assimilation bestimmte 
Höhle ist noch aus einem andern Grunde noth wendig: der Nah- 
rungsstoflt" der Thiere muss erst aufgelöst werden. Der Nabrungs- 
stoff der Pflanze findet sich aufgelöst vor, und besteht theils aus 
kohlensäurehaltigem Wasser, theils aus aufgelösten organischen 
Materien des humus. Die Thiere müssen ihren Nahrungsstoff, der 
aus schon vorhandenen organischen Verbindungen besteht, vor¬ 
bereiten, zerkleinern, auflösen, daher ist die Verdauung eine bloss 
den Thieren eigene vorbereitende Assimilation der Speisen. 
Die Saftbewegung der Bilanzen ist viel einfacher als bei den 
Thieren, und immer ohne besondere bewegende Organe für die 
Verbreitung, ohne Herz. In einigen einfachen Pflanzeu giebt es
        

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