Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Erster Band, dritte verbesserte Auflage
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17251/471/
466 II. Buch. Organ, ehern.'Processe. III. Abschn. Absonderung. 
Weber findet sie grösser als Blutkörperchen und durchsichtig; der 
grösste Tlieil der Speichelmaterie ist offenbar aufgelöst. So ent¬ 
halt auch der ganz durchsichtige Theil des Schleims nach Weber 
keine Körnchen, wohl aber die im Schleim vorhandenen Flok- 
ken. Meines Erachtens kann man den hei weitem grössten 
Theil der Materie des Speichels', der Galle, des Schleims so gut 
wie des Harns, als aufgelöst betrachten. Dagegen enthalten Sa¬ 
men, Milch, schwarzes Pigment und Eiter so viele Körnchen, 
dass dieselben zu den wesentlichsten Theilen derselben gehören 
müssen. Die Körnchen des schwarzen Pigments sind nach E. 
H. Weber ungleich und haben im Mittel 0,0015 p. Lin. oder 
sir04 P- Zo sie sind daher ohngefähr halb so gross als die Blut¬ 
körperchen. In der Milch sind sie nach Weber sehr durchsich¬ 
tig, rund, aber ungleich, im Mittel 1 — * Mal kleiner als die Blut¬ 
körperchen. Treviranus hält sie für Fettkügelchen, da sie nicht 
zu ,Boden sinken und das Licht stark brechen. Weber hält sie 
für zusammengesetzt aus Käse und Fett. Die Eiterkügelchen sind 
nach Weber rund und von inrdo—TsVb P- Z> die meisten p. Z., 
sie sind daher grösser und ohngefähr noch ein Mal so gross als 
Blutkörperchen. Alle diese Umstände beweisen, dass die in eini¬ 
gen Absonderungsflüssigkeiten vorkommenden Körnchen keine ver¬ 
änderten Blutkörperchen sind; die der Milch sind zu klein, die des 
Eiters zu gross dazu; letztere können nicht aus den Capillargefässen 
kommen, da sie selbst etwas grösser als die feinsten Capillarge- 
fässe sind. Ueberdiess ist eine Ausscheidung von Blutkörnchen 
im veränderten Zustande auch schon darum nicht möglich, weil 
damit die Zurückhaltung wirklicher Blutkörperchen unvereinbar 
wäre. Nach meiner Ansicht entstehen die Kügelchen der Milch, 
des schwarzen Pigments und des Eiters, indem der aufgelöste 
Thierstoff des Secretums, nach der Secretion, wie bei der Ge¬ 
rinnung des Eiweisses, zum Theil in Kügelchen sich formirt. 
Authenrietr erzählt folgende merkwürdige Beobachtung (Physiol. 
2. 119.). Lässt man die wässrige Feuchtigkeit, welche nach ab¬ 
gewischtem Eiter aus der Oberfläche eines entzündeten Theils 
dringt, zwischen zwei durchsichtigen, feinen Talgblättchen in der 
Wunde liegen, so sieht man in ihr nach und nach feine, immer 
sich vergrössernde und undurchsichtig werdende Kügelchen sich 
bilden, aber diese nicht, wenn die Feuchtigkeit gänzlich aus der 
Atmosphäre lebender Theile entfernt wird. Auch Brugmans {Piss, 
de pyogenia. 114, Sciiroeder van der Kolk, observ. anat. path. 21.) 
giebt an: dass, wenn eine eiternde Stelle abgcspühlt worden, nun 
der Eiter als eine klare Flüssigkeit abgesondert und erst später 
dicker wen ! e. Vgl. über diesen Abschnitt Wedemeyer, über den 
Kreislauf des Blutes; Doellinger, was ist Absonderung/' IVürz— 
bürg 1819. 
2. Vom Einfluss, der Nerven auf die Absonderung. 
Ueber den Einfluss der Nerven auf die Absonderungen ist 
man noch sehr im Dunkeln. Es ist hier zuerst der bekannte, von A. 
v. Humboldt an sich selbst angestellte, Versuch zu erwähnen, wo
        

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