Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Erster Band, dritte verbesserte Auflage
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17251/458/
‘2. Vom Innern Bau der Drüsen. 
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Nachdem nun der Bau der absondernden Organe im Einzel¬ 
nen dargestellt worden, lassen sich allgemeine Piesultate über den 
Bau der Drüsen zusammenfassen. 
I. Die vorhergehenden Untersuchungen über den innern 
Bau sämmtlicher Drüsen, welche in der Thierwelt und hei dem 
Menschen aultrelen, zeigen, dass, so mannigfaltig die Bildung ih¬ 
rer Elementartheile ist, alle doch sammt und sonders dasselbe 
Bildung sgesetz verfolgen und von dem einfachsten unverzweigten 
Folliculus bis zu den zusammengesetzten Drüsen eine ununter- 
brochene Bildungsreihe darstellen. 
D. Es lässt sich zwischen den Absonderungsorganen der 
wirbellosen Thiere und der Wirbelthiere keine Grenze ziehen, 
und die einfachsten Schläuche und röhrenförmigen Secretionsor- 
gane der Insekten wiederholen sich nicht allein hei den höheren 
Thieren, sondern gehen durch die Thierwelt offenbar in die Drü¬ 
sen der höheren Thiere über. Die Milchdrüsen des Schnabelthiers, 
die einfachsten Speicheldrüsen der Vögel, die prostatischen Drü¬ 
sen vieler Säugetliiere, das Pankreas der meisten Fische, sind so 
einfach wie die Absonderungsorgane der Crustaceen. 
111. Alle Drüsen bieten im Inneren nur eine grosse Fläche 
der Absonderung dar und es giebt gar viele Arten innerer Bil¬ 
dung, durch welche die absondernde Fläche im kleinsten Raume 
vermehrt wird. Die Natur zeigt hierin, wie überall, einen un¬ 
endlichen Reichtlmm der mannigfaltigsten Bildungen, ohne die 
einfachen Gesetze der Entwickelung zu verlassen. Wunderbar 
sind die Formen, durch welche sie hei den Insekten die samen- 
absondernden Röhren in fast vegetabilischem Character verändert, 
aber noch viel wunderbarer ist ihre Mannigfaltigkeit in der Aus¬ 
bildung der zusammengesetztesten Drüsen bei den höheren Thie¬ 
ren ; allein alle Drüsen haben das gemein, dass sie nur 
auf Entwickelung des Ausführungsganges zu inneren Höhlen 
oder Kanälen mit geschlossenen Enden beruhen. Die Mal- 
riGHi’sche Ansicht von dem Bau der Drüsen ist daher aller¬ 
dings die richtigere, und diese Wahrheit ist durch die neueren 
Untersuchungen über allen Zweifel erwiesen; aber Malpighi 
kannte die Elementartheile der Drüsen nicht; nicht, was er für 
Folliculi in den zusammengesetzten Drüsen hielt, sind diese Ele¬ 
mentartheile, sondern diese problematischen Folliculi bestehen aus 
einer grossen Anzahl viel kleinerer Theile, welche den Verzwei¬ 
gungen der Ausführungsgänge aulsitzen; auch sind Folliculi nicht 
immer die letzten hohlen Enden der Drüsen, sondern diese sind 
bald langgezogene Blinddärmchen, bald ästige und liederförmig 
vereinigte Kanäle mit geschlossenen Enden, bald hohle Träub- 
clien, bald grosse gewundene Röhren, welche ihren Durchmesser 
durchgängig beibehalten, und in mannigfachen Verbindungen 
zusammentreten; aber das ist richtig, was die Hauptsache der 
Malpighi’schen Ansicht war, dass alle letzten Verzweigungen 
der Ausführuimseänae geschlossen sind. Diess hatten bereits 
ascagni und Citui ks h a N K durch Quecksiiberinjection von den 
Milchdrüsen des Menschen, E. H. Weber von den Speicheldrüsen 
des Menschen und der Vögel und dem Pankreas der letzteren
        

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