Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Erster Band, dritte verbesserte Auflage
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17251/452/
2. 1 <>m innern Bau der Drüsen. Nieren. 
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leiters eingesenkt ist. Auf der Oberfläche der Nieren bemerkt 
inan kleine Windungen, wie auf der Oberfläche des Gehirns oder 
wie die an einander liegenden Ränder eines sehr gekräuselten 
Blattes. Diese Windungen entstehen durch die schichtweise Aus¬ 
breitung der zur Oberfläche auftauchenden Harnkanälchen, ln 
diesen Windungen liegen die Harnkanälchen parallel neben ein¬ 
ander; man kann sich diese Anordnung so vorstellen, wie wenn 
ein Tuch nach einer Seite hin in die Spitze einer Pyramide zu¬ 
sammengefasst wird, während das andere Ende des Tuchs wie 
eine Gardine oder eine Halskrause in gekräuselte Falten gelegt 
ist. Bei der ersten Entstehung der Niere sieht man diese Bil¬ 
dung noch deutlicher, indem die aus der Tiefe aufstrebenden 
Schichten der Harnkanälchen sich in gekräuselten Figuren auf 
der Oberfläche der Niere neben einander legen und den Falten 
einer Krause in der That sehr ähnlich sehen; a. a. O. Tab. XIH. 
Fig. 4. 5. C. Beim erwachsenen Vogel, wo sich die Harnkanäl¬ 
chen mit Hülfe der Luftpumpe durch Leim und Zinnober inji- 
ciren lassen, liegen die Enden der Harnkanälchen auf der Ober¬ 
fläche d er Nieren in wunderschöner Anordnung neben einander. 
Jedes dieser Kanälchen treibt federförmig kleine Zweige nach 
den Seiten aus, so dass jedes Harnkanälchen einem Federchen, 
oder auch der Verzweigung des Hirschgeweihes ähnlich sieht. 
Siche Tab. XIII. Fig. 7. 9. 13. 
Huscuke’s und meine Beobachtungen haben dieses Verhalten 
ermittelt. Nach neuen Beobachtungen, die ich an ausserordent¬ 
lich schönen Injeclionen vom Prof. Retzius in Stockholm ange¬ 
stellt habe, setzen sich die Seitenzweigelchen noch weiter in die 
Tiefe fort, wo sie keine Acste weiter abgeben und allmählig 
kaum etwas feiner werden. Wie sie zuletzt endigen, weiss ich 
nicht gewiss; wie es scheint, bilden sie Schlingen. Die Harnka¬ 
nälchen haben auf der Oberfläche der Nieren der Eule einen 
Durchmesser von 0,00174 p. Z. Vergleiche über den Bau der Vo¬ 
gelnieren Huschke, Isis 1828. pag. 565. 
Bei dem Embryo der Säugethiere und des Menschen besteht 
die Niere aus mehreren ganz abgesonderten Lappen (Renculi), 
welche bloss durch die Zweige des Nierenbeckens Zusammenhän¬ 
gen. Dieser Renculi sind so viele, als die Niere später Pyrami¬ 
den hat. Bekanntlich bleiben diese Renculi in grosser Anzahl 
hei mehreren Thieren durchs ganze Leber getrennt, wie heim Bä¬ 
ren, der Fischotter und den Cetaceen. Sowohl hei diesen Thie¬ 
ren, als hei dem Fötus der übrigen Säugethiere und des Men¬ 
schen besteht jeder Renculus aus der pyramidalischen Marksub¬ 
stanz und der wie eine Mütze um die abgerundete Basis derselben 
herumgeschlagenen Corticalsuhstanz, welche die Medullarsubstanz, 
also bis auf die Papille des Renculus umgiebt. Nachdem diese 
Renculi unter einander verwachsen sind, setzt sich also nothwen- 
dig die Corticalsuhstanz der Nieren zwischen die Pyramiden bis 
gegen die Papillen hin fort. In der Marksubstanz verlaufen die 
Harnkanälchen bekanntlich gestreckt; von der Basis bis gegen 
die Papille hin verbinden sie sich von Stelle zu Stelle, je 
zwei mit einander, wie die Zinken einer Gabel. Sie werden
        

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