Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Erster Band, dritte verbesserte Auflage
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17251/432/
i. Absonderung im Allgemeinen. Zellgewebe. Feltabsonderung. 427 
rische Zellgewebe von dem Pflanzenzellgewebe, welches meist 
eckige geschlossene Zellen bildet. Die Primitivfasern in der Fa¬ 
scia superficialis stimmen durchaus mit denen des Zellgewebes 
überein. Diese dünneren Faserhäute scheinen bloss durch die 
Dichtigkeit des Strickwerks des Zellgewebes zu entstehen. ln 
den eigentlichen Fascien und Sehnen liegen die Fasern schichtweise 
in gewissen Richtungen, und bilden Faserbündelchen, welche, wie 
die Fasern des fibrösen Gewebes überhaupt, wohl nicht aus dich¬ 
ten Ordnungen von Primitivfasern des Zellgewebes, sondern aus ei- 
genthümlichen Fasern bestehen. Das Zellgewebe wird nun in se¬ 
röses und Fettzellgewebe eingetheilt. Die Vorstellung von der 
Zusammensetzung des Zellgewebes aus Lymphgefässnetzen wird 
durch das mikroskopische Verhalten und durch den unmittelba¬ 
ren Uebergang in die Fascia superficialis unwahrscheinlich. Diese 
Bemerkungen über den Bau des Zellgewebes sind aus einer klei¬ 
nen Arbeit von Jobuah über die Tunica darlos und die verwand¬ 
ten Gewebe (Mueller’s Archiv. 1834. p. 410.) entnommen. Ich be¬ 
merke, dass ich die Beobachtungen desVerf. selbst verificirt habe. 
Das Fett ist ein blosses Depositum in den Zellen des 
Zellgewebes, theils unter der Haut im Panniculus adiposus, theils 
im Omentum, in der Umgegend der Nieren und in dem Mark 
der Knochen und stellenweise an vielen anderen Theilen. Die 
Fettzellen des Menschen sind rundlich, die des Schafes und der 
Thiere mit Talgfett polyedrisch. Eine besondere Structur scheint 
zu dieser Absetzung aus dem Blute nicht nöthig, weil eben in al¬ 
len Theilen Fett sich abscheiden kann. Diese Materie ist übri¬ 
gens ohne alle Organisation und bei der Temperatur des mensch¬ 
lichen Körpers selbst flüssig oder weich. Die verschiedenen Fett¬ 
arten in der Thierwelt unterscheiden sich vorzüglich durch den 
Temperaturgrad, bei welchem sie weich und flüssig werden, und 
durch einen verschiedenen Gehalt an Stearin und Elain, in der 
Schmelzbarkeit verschiedenen Fettarten. Das Menschenfett gehört 
zu den weicheren Fettarten. Das Fett der kaltblütigen Thiere ist 
bei gewöhnlicher Temperatur noch flüssig. Die Zusammensetzung 
des Fettes ist schon pag. 136 angegeben. Dieses freie Fett ist 
stickstofflos, während andere Fettarten, wie das gebundene Fett 
im Blut und im Gebirn, Stickstoff- und phosphorhaltig sind. Stea¬ 
rin und Elain sind übrigens in Aether und heissem Weingeist 
löslich, Elain bleibt in dem erkalteten Weingeist gelöst. Der 
Nutzen des Fettes besteht offenbar theils in seiner Verwendung 
zur Ausgleichung der Formenverhältnisse, theils dient dasselbe 
als schlechter Wärmeleiter zum Schutz der inneren Theile. Das 
Fett kann aber auch als ein deponirter Nahrungsstoff betrachtet 
werden, der bei Hungernden und auch bei dem Schwinden der 
Theile durch Bindung mit anderen Thierstoffen oder verseift un- 
gemein leicht wieder aufgelöst und in die Blutmasse wieder auf¬ 
genommen, zu organischen Combinationen weiter verwandt wird. 
2) Absondernde Häute. Unter die absondernden Häute ge¬ 
hören vorzüglich die serösen Häute, ehe Schleimhaut und die 
äussere Haut. 
a. Seröse Häute. Die serösen Häute scheinen aus ähnlichen Fa-
        

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