Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Erster Band, dritte verbesserte Auflage
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17251/348/
6. Athemhewegungen und Athemnerven. 
343 
Romberg. Berlin 1832. p. 126. 338. Vergl. Mueller’s Archiv. 
1834. 168. 
Ich habe schon angeführt, dass das ganze respiratorische Sy¬ 
stem der Nerven dem Ausdrucke der Leidenschaften dient. Das¬ 
selbe wird aber auch in vielen anderen Fallen gleichzeitig oder 
in einzelnen Theiien seiner Wirkungssphäre alücirt. Die asthma¬ 
tischen Nervenaffectionen sind ein Beispiel von eonvulsivischer Af¬ 
fection des Systems aller Athemnerven. Aber ein Umstand, wor¬ 
auf Bell nicht aufmerksam gemacht hat, und der mir sehr viel 
Licht über viele Erscheinungen zu verbreiten scheint, ist, dass das 
System der Athemnerven durch locale Reize in allen Theiien, 
welche mit Schleimhäuten versehen werden, in krankhafte Thätig- 
keit zu Erzeugung eonvulsivischer Bewegungen gesetzt werden 
kann. Reize auf die Schleimhaut der Nase bewirken Niesen, Reize 
im Schlund, in der Speiseröhre, im Magen, im Darm bewirken 
die Concurrenz der respiratorischen Bewegungen zum Erbrechen, 
heftige Reizung im Mastdarme, in der Urinblase, im Uterus, be¬ 
wirken die Concurrenz der respiratorischen Bewegungen zum 
unwillkürlichen Stuhlgang, und Harnlassen und zum Austreiben 
der Frucht. Reize der Schleimhaut des Kehlkopfes, der Luft¬ 
röhre, der Lungen, ja seihst ein Jucken erregender Reiz in der 
eustachisehen Trompete bewirken Husten. 
Alle diese Bewegungen, Husten, Erbrechen, krampfhaft un¬ 
willkürlicher Stuhlgang, unwillkürliches, mit Zwang verbundenes 
Harnlassen, werden mit Hülfe der Respiralionsbewegungen aus¬ 
geführt. Der locale Reiz wirkt hier von der innern Haut der 
Eingeweide auf die darin sich verzweigenden Aeste des Sympa¬ 
thies, hei Magen, Schlund, Kehlkopf, Lungen auch auf die Aeste 
des N. vagus, in der Nase auf Nasaläsle des N. trigeminus, und 
rellectirt sich auf die Quelle der Athemhewegungen in der Me¬ 
dulla oblongata und auf das Rückenmark, von welchen aus nun 
die Gruppen der respiratorischen Bewegungen ausgehen, welche 
Erbrechen, Husten, Niesen etc. bewirken. Reizung der Nasal¬ 
äste des N. trigeminus in der Nase bewirkt Niesen, und seihst 
dann, wenn die Reizung secundär ist, wenn z. B. der Reiz des 
Sonnenlichtes auf den Sehnerven zuerst, dieser auf das Gehirn 
wirkt, das Gehirn eine secundäre Erregung der Nasennerven und 
gleichzeitig der Athemnerven verursacht. Ich niese, wie viele 
Andere, sobald ich helles Sonnenlicht sehe. Reizung des Vagus 
allein in Kehlkopf, Luftröhre, Lungen erregt Husten, Reizung 
des Schlundastes des Vagus und des glossopharyngeus im Schlunde, 
des Vagus im Magen erregt Erbrechen. Wir wollen nun die 
einzelnen Gruppen dieser sympathischen Respirationsbewegungen 
durchgehen. 
Alle einzelnen Athemhewegungen können isolirt ausgeführt 
werden, und verbinden sich zuweilen zu Gruppen, wie sie in der 
Kegel heim Athmen nicht stattlinden. 
Die Zusammenziehung des Zwerchfells,, verbunden mit den 
Athemhewegungen zum Ausathmen, findet heim gewaltsamen Aus¬ 
treiben eines Körpers aus Theiien der Bauchhöhle, willkürlich 
oder unwillkürlich statt, z. B. willkürlich heim Stuhlgang und
        

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