Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Erster Band, dritte verbesserte Auflage
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17251/34/
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Prolegomena. 3. Organismus. Lebenshedingungen. 
Endlich erwähne ich mit AuteniuEth die Fälligkeit der thieri- 
schen Theile, wodurch ihnen bald Lebenskraft entzogen, bald 
mitgetheilt wird, und wodurch sich die Lebenskraft oft schnell 
in einem Organe anhäuft. Ich glaube nicht, dass die Wirkung 
der Lebenskraft in dem nicht bebrüteten Ei den Dotter und das 
Eiweiss vor Fäulniss schützt, wie Hunter bemerkt, aber sogar 
eine ausgetretene oder eingeschlossene oder krankhaft angesam- 
melte Flüssigkeit, selbst zersetzter ThierstofF, Eiter, wird länger 
im lebenden Körper, als ausser ihm vor Fäulniss bewahrt, was 
nicht bloss das Abschlüssen von der Luft verursacht, da sonst 
hei gesunkenen Kräften oft schnell Blut und Eiter im Körper 
sich zersetzen. Aüteniueth Physiol. 1. So gewiss nun mit allen 
diesen Thatsachen die Existenz einer oft schnell wirkenden und 
räumlich sich ausbreitenden Kraft oder eines imponderablen 
Stoffes ist, so wenig ist man berechtigt, denselben mit den be¬ 
kannten imponderablen Materien oder allgemeinen Naturkräften, 
Wärme, Licht, Electricität, für identisch zu halten, eine Verglei¬ 
chung, die vielmehr durch jede nähere Untersuchung widerlegt 
wird. Die Untersuchungen über den sogenannten thierischen 
Magnetismus schienen Anfangs einiges Licht über diese räthsel- 
hafte Kraft oder imponderable Materie zu verbreiten. Man 
glaubte, dass Bestreichen eines Menschen durch einen andern, 
Iländcauflegen und dergleichen, merkwürdige Wirkungen hervor¬ 
bringe, die von einem Üeberströmen des sogenannten thierischen 
magnetischen Fluidums herrühren; ja Einige haben dieses hypo¬ 
thetische Fluidum sogar durch gewisse Vorrichtungen anzuhäufen 
geglaubt. Diese Geschichten sind indess ein bedauernswerthes 
Irrsal von Lug und Trug und Aberglauben geworden, und es 
hat sich nur gezeigt, wie unfähig die meisten Aérzte zu einer 
empirischen Untersuchung sind, und wie wenig sie eine Vorstel¬ 
lung von einer Prüfung haben, die in den übrigen Naturwissen¬ 
schaften zur allgemeinen Methode geworden ist. Kein einziges 
Factum existirt über diesen Gegenstand unzweifelhaft, als die Ge¬ 
wissheit unendlicher Täuschungen; in der Empirie der Arznei¬ 
kunde zeigt sich auch keine Thatsache, welche sich mit diesen 
wunderbaren Dingen in Verbindung bringen liesse, als jene oft 
wiederholten, ^aber auch der Bestätigung bedürfenden Berichte 
von der Heilung gelähmter Menschen, deren Glieder man in 
frisch geschlachtete Thiere gehüllt, und die gerne geglaubten 
Mährchen von Verjüngung der Alten und Kränklichen in dem 
Umgang und in der Ausdünstung gesunder Kinder, und umgekehrt. 
So viel wir jetzt gesehen haben, bestehen die organischen 
Körper aus Materien, welche eine eigene, in der unorganischen 
Natur nicht vorkommende, nämlich ternäre, quaternäre oder noch 
mehrfache Combination der Elemente zeigen; diese Combinatio- 
nen erzeugen sich nur in den organischen Körpern, so lange sie 
thätig sind oder leben. Die organischen Körper bestehen ferner 
aus Organen, d. i. qualitativ verschiedenen Gliedern des Ganzen, 
die den Grund ihrer Erhaltung in dem Ganzen haben; sic beste¬ 
hen nicht allein daraus, sondern sie erzeugen aus eigener Kraft 
diese Glieder des Ganzen; das Leben ist daher keine blosse Folge
        

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