Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Erster Band, dritte verbesserte Auflage
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17251/323/
318 II. Buch. Organ, chemische Processe. I. Ahschn. Athmen. 
Daw, Berthold und Blundell gerinnt das Arterienldut schneller 
als Venenblut, wovon Thakrah das Gegentheil beobachtet hat. 
Burdacii’s Physiol. 4. 382. Nach Mayer, Blainville und Denis 
enthält das Venenblut etwas weniger Serum und mehr Kuchen. 
Das Arterienblut enthält nach Mayer mehr Faserstoff, und giebt 
ihn in dickem festen und glänzenden Bündeln, was schon Emmery 
sah, ab. Die grössere Menge des Faserstoffs im Arterienblut ist 
von Berthold und Denis (Burd. Physwl. 4. 382.) und von mir in 
einer Beobachtung bestätigt worden. Nach Denis verhalte sich 
der Gehalt von Faserstoff im venösen und arteriösen Blut beim 
Hunde wie 24 ; 25, nach Berthold bei Ziegen wie 366; 429, bei 
Katzen wie 474 ; 521, bei Hammeln wie 475 ; 566, bei Hunden 
wie 500 ; 666. Nach meiner Beobachtung an der Ziege enthielt 
das Venenblut 0,395, das Arterienblut 0,483 Procent Faserstoff. 
Zieht man das Mitte! aus diesen 6 Beobachtungen, so verhält sich 
der Faserstoff im Venen- und Arterienblute wie 24 ; 29. 
Die weichere Beschaffenheit des Faserstoffs im Venenblut, die 
schon Emmert beobachtete, könnte auf die Vermuthung führen, 
dass durch das Athmen der Faserstoff weiter ausgebildet werde. 
Indessen lässt sich die weichere Beschaffenheit auch aus der grossem 
Vertheilung der geringem Menge von Faserstoff in gleicher Quan¬ 
tität Blut ableiten. Die geringere Menge des Faserstoffs im Ve- 
nenblute rührt auch wohl bloss von dem Verlust eines Theils des 
aufgelösten Faserstoffs in den Capillargefässen hei der Ernährung 
her, theils von der Abführung von aufgelöstem Faserstoff aus dem 
Gewebe der Organe durch die Lymphgefässe, eine Quantität Fa¬ 
serstoff, die erst wieder durch den Ductus thoracicus zumVenen- 
blute gelangt. Dass aber das Athmen auf die Ausbildung des Fa¬ 
serstoffs dennoch einwirke, wird wahrscheinlich daraus, dass das 
Blut des Fötus viel weniger Faserstoff enthält, obgleich er mit 
Unrecht darin geläugnet wurde, und dass hei der Blausucht von 
Herzfehlern, wie Offenbleiben des Ductus Botalli oder des Foramen 
ovale im Septum atriorum (wegen geringerer Gerinnbarkeit des 
Blutes?) Neigung zu Blutungen beobachtet worden ist, obwohl die 
merkwürdige Neigung zum Verbluten aus kleinen Wunden von 
der Blausucht verschieden ist. Dass das venöse Blut weniger 
Cruor (Blutkörperchen) enthalte, wie Denis behauptet, halte ich 
für ganz hypothetisch. Wir besitzen kein Mittel, die Menge der 
Blutkörperchen in einer Blutart zu schätzen. \ ergl. oben pag. 118. 
Denis rech. exp. sur Le sang humain. Paris. 1830. 
Die widersprechenden Beobachtungen über die Wassermenge 
in beiden Blutarten hat Burdach (Physiol. 4. 383.) zusammen¬ 
gestellt. 
Eine Vergleichung beider Blutarten auf ihre letzten Bestand- 
theile ist von AbildgaaRd und Michaelis angestellt worden. Nach 
AbildgaaRd sollte Venenblut um T'T — TV weniger Nitrum zu al- 
kalisiren vermögen, als Arterienblut. Pfaff, J\ord. Arch. 1. 493. 
Michaelis hat beide Blutarten durch Verbrennung mit Kupler- 
oxyd analysirt. Schweigg. J. 54. Er fand
        

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