Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Erster Band, dritte verbesserte Auflage
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17251/296/
1. Vorn Athmen im Allgemeinen. Irrespirable Luftarten. 291 
über 12 Stunden ; indem er noch von Zeit zu Zeit athmete; nach 
22 Stunden war er scheintodt, bewegte sich aber noch etwas, als 
er herausgenommen gekniffen wurde. In anderen Fällen lebten 
die Frösche selbst in gereinigtem Wasserstolfgas nur 3 ■— 4 
Stunden. 
2. Giftige Gasarten. Kohlenwasserstoffgas, Phosphorwasser- 
stolfgas, Schwefelwasserstoffgas, Arsenikwasserstoffgas, Koblenoxyd- 
gas, Cyangas? Atmosphärische Luft, die T-d5^ Schwefelwasser¬ 
stoffgas enthält, tödtet nach Thenard einen Vogel, -g-g-g einen 
Hund, •j-jô' ein Pferd. Hieher gehört wohl auch die Kohlensäure; 
denn sie bewirkt keinen Husten, wenn sie auch in grosser Menge 
eingeatbmet wird. Sie narkotisirt und macht scheintodt ohne 
Erstickungszufälle. Atmosphärische mit mehr als 10 P. C. Koh- 
lensäuregas tödtet bald. Diese giftigen Gasarten tödten auch, 
wenn sie in kleinen Quantitäten ins Blut injicirt werden. Nysten. 
Vergl. pag. 148. 
III. Gase, welche in grösserer Menge gar nicht einmal inspi- 
rirt werden können, indem sie eine krampfhafte Verschliessung der 
Stimmritze bewirken, ln kleinerer Quantität erregen sie Husten. 
Alle sauren Gasarten, (mit Ausnahme der Kohlensäure, wel¬ 
che nicht erstickend, sondern vergiftend tödtet), ferner Chlor-, 
Stickstoffoxyd-, Fluorboron-, Fluorsilicium-, Ammoniakgas. Ber- 
zel. Thierch. 103. Gmelin Chem. 4. 1527. Flüssigkeit, Wasser 
reizt wie feste Körper auch zu kramphhafter Verschliessung der 
Stimmritze bis zum Ersticken, sehr wenig dagegen, wenn etwas 
Flüssigkeit einmal in den Lungen ist, und man kann durch eine 
Oelfnung der Luftröhre ziemlich viel Wasser einspritzen. Der 
Tod erfolgt im ersten Fall durch die Verschliessung der Stimmri¬ 
tze, welche bei einem Loch in der Lu fl roh re ganz unschädlich ist. 
Die Tliiere, welche im Wasser leben, athmen zum Theil at¬ 
mosphärische Luft an der Oberfläche des Wassers, wie die Am¬ 
phibien und Wassersäugetbiere, durch Lungen, zum Theil athmen 
sie das Wasser seihst, oder vielmehr die im Wasser aufgelöste 
Luft, wie die Fische durch Kiemen. Das Wasser der Seen, 
Flüsse und des Meeres enthält nämlich auch atmosphärische Luft 
oder vielmehr Sauerstoffgas und Stickgas in bestimmten Propor¬ 
tionen aufgelöst, welche es aus der Atmosphäre absorbirt. v. Hum¬ 
boldt und Provençal entwickelten durch Kochen aus Seinewasser 
0,0264—0,0287 Theile seines Volumens Luft. Diese enthielt 0,306 
bis 0,314 Theile Sauerstoffgas und 0,06 bis 0,11 Tbede kohlen¬ 
saures Gas. Man darf sich also nicht vorstellen, dass das Wasser 
selbst eine Veränderung durch das Athmen erleide, nur die darin 
aufgelöste Luft wird verändert, Sauerstoff daraus absorbirt, und 
Kohlensäure ausgeschieden. Fische athmen im Wasser, welches 
*nit Sauerstoffgas und Wasserstolfgas imprägnirt ist, nur das er- 
stere, das Wasserstoffgas, bleibt unverändert. In ausgekochtem 
Wasser sterben die Fische wegen Mangel an Sauerstoffgas schnell, 
innerhalb 4 Stunden, wobei sie ihre Athemhewegurigen fortsetzen. 
Priestley sah Fische in luftfreiem, mit Stickoxydgas (Salpetergas) 
imprägnirtem Wasser 1(1—15 Min. leben, als aber die geringste 
Menge atmosphärischer Luft hinzukam, starben sie unter Krämpfen. 
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