Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Erster Band, dritte verbesserte Auflage
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17251/268/
2. Von den Lymphgefässen. Ursprung der Lymphgefiisse. 263 
eine feine Injectionsmasse von Zinnober, so füllen sich dieLympb- 
gefässe sehr schwer, und mit Quecksilber gar nicht. Mit einem 
vollkommen aufgelösten Farbestolf, wie z. B. mit löslichem In¬ 
digo, kann man unless auf diese Art sehr leicht Injcctionen der 
Lvmphgefässe des Gekröses machen. Dieser von mir beobachtete 
schnelle Uebergang scheint aber jedesmal mit Zerreissung des 
innersten Darmhäutchens an einer Stelle zu erfolgen, denn die 
Anfüllung der Lymphgefasse erfolgt plötzlich, und bei Untersu¬ 
chung der innersten Darmhaut findet man diese ott hier und da 
verletzt. Dem zufolge lege ich auch auf diesen leichten Ueber¬ 
gang, den ich nur beim Schaafe, aber bei keinem andern Thiere 
beobachtete, in der gegenwärtigen Frage keinen Werth. Es 
bleibt indess immer zweifelhaft, ob die Chyluskügelchen schon 
gebildet in die Lymphgefasse des Darmes eindrmgen, vorzüglich 
spricht dafür die verschieden trübe Beschaffenheit des Cbylus 
nach Maassgabe verschiedener Nahrung. Nun fragt sich, wo sind 
OefFnungen für diesen Durchgang, die jedenfalls grösser seyn 
müssten, als die in anderen weichen, thierischen Theilen voraus¬ 
zusetzenden Poren, vermöge welcher sie für Wasser und für 
Aufgelöstes permeabel sind; denn die Capillargefi'isse sind zwar 
permeabel für Flüssiges und Aufgelöstes, aber nicht für die Blut¬ 
körperchen. Alle guten Beobachter stimmen darin überein, dass 
an den Darmzotten keine Spuren von Oeffnungen zu bemerken 
sind; und ich selbst habe bei wiederholten Untersuchungen der 
Darmzotten von Kaninchen, Kalb, Ochsen, Schwein und von der 
Katze nie eine Oeffnung an dem Ende der Darmzotten bemerkt. 
An dieser Stelle sind die Oeffnungen der Darmzotten jedenfalls 
fabelhaft. 
Folgendes ist das Resultat meiner mikroskopischen Untersu¬ 
chung über den Bau der Darmzotten. Die Zotten sind bald 
walzenförmige, bald blättchenförmige, oft pyramidale, kurze Fort¬ 
sätze der innersten Haut des Darmes von ' bis 1, höchstens 1L 
Linien Länge, welche ihr, im Wasser vergrössert, das Ansehen 
eines dichten Pelzwerkes geben. ln dieser Art kommen sic in 
der Regel nur beim Menschen, den meisten Säugetbieren und 
vielen Vögeln vor. Bei einigen Fischen bemerkt man etwas Aehn- 
liches, und bei einer Schlange, Python bivitatus, hat Retzius 
zottenartige Fortsätze der innersten Darmhaut beschrieben, wel¬ 
che man .schwerlich für etwMS Anderes halten kann, obgleich Ru- 
dolphi den Fischen und Amphibien wahre Zotten abspricht. 
Alb. Meckei, hat Unrecht, wenn er alle Zotten auf ein an der 
Basis breites, an der Spitze verschmälertes Blatt redlichen will. 
Sie sind allerdings bei den meisten Säugetbieren platt, wie beim 
Kaninchen, Hund, Schwein; allein beiin Kalbe, Ochsen, Schaaf 
sind viele Zotten walzenförmig; zuweilen findet man in einem 
Theile des Darmes mehr platte, in einem andern Theile dessel¬ 
ben mehr walzenförmige Zotten, wie beim Ochsen und Schaafe, 
zuweilen stehen platte und walzenförmige vermischt, wie eben¬ 
falls beim Ochsen und Schaafe, und hei denselben Thieren, be¬ 
sonders beim Schaafe bemerkt man oft an manchen Stellen platte, 
breite Zollen mit walzenförmigen Endzipfeln. Indem die Zotten
        

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