Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Erster Band, dritte verbesserte Auflage
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17251/249/
244 I. Buch. Von den organ. Säften etc. II. Abschn. Vom Blutkreislauf. 
Kochsalz, und legte es, an Leiden Enden zugebunden, in eine 
Schale mit Wasser, worin es sich bald so füllte, dass cs ausge¬ 
spannt wurde. Enthielt das Darmstück reines Wasser, und lag 
in Zuckerwasser, so wurde es allmähüg schlaffer, während zu¬ 
gleich Zucker in den Darm überging. Dutkochet l’agent, immé¬ 
diat du mouvement vital. Paris 1826. Nouv. rech, sur l’endosmose. 
Paris. 182S. 
Seine Hypothese, dass hierbei elektrische Wirkungen stattfin¬ 
den, hat sich nicht bestätigt. Es ist auch nicht constant, dass die 
dichtere Lösung mehr von der dünnem, als diese von jener an¬ 
zieht, wovon die Gase besonders schon das Gegenthei! zeigen, son¬ 
dern es scheint die chemische Constitution und das physikalisch- 
chemische Verhältnis der Flüssigkeit zur Thierblase dabei eine 
grosse Rolle zu spielen. Wässeriger Weingeist in einer Thierblase 
aulbewahrt, concentrirt sich, indem bloss das Wasser verdunstet. 
Vergl. Staples Versuche in Kastneu’s Archiv für Chemie. Bd. 3. II. 
1—3. p. 282. Ein Darmstück eines Huhns mit wässeriger Lösung 
von Mimosengummi und Rhabarbarin zum Theil gefüllt, und zu¬ 
gebunden in Wasser gelegt, schwoll auf, während Rhabarbarin 
heraustrat. Aehnliehe Säcke mit schwacher Lösung von schwefel- 
saurem Eisenoxydul in Wasser gelegt, das Blutlaugensalz enthielt, 
schwollen auch auf, weil Wasser eingedrungen war; sie hatten 
an die umgehende Lösung Eisensalz abgegeben und dieselbe ge- 
bläuet. Im Darme war aber keine Spur von blauer Farbe. Die 
Verhältnisse, die bei den Gasen stattfinden, sind sehr merkwürdig. 
Faust hat hierüber Versuche angestellt. Fboriep’s JSot. N. 646. 
Eine mit atmosphärischer Luft halbgefüllte Blase unter einer mit 
kohlensaurem Gas gefüllten Glocke schwoll an, eine mit Wasser¬ 
stoffgas gefüllte Blase unter eine mit kohlensaurem Gas gefüllte 
Glocke gebracht, schwoll bis zum Zerplatzen auf. Dagegen ein 
leichteres Gas in der Glocke das Zusammenfallen der mit dem 
schwereren Gas gefüllten Blase bewirkt. 
Ich wünschte zu wissen, wie schnell etwas durch Imbibition 
in die erste Schicht der Capillargefässe eines von Epidermis freien 
Theiles, und so in das Blut eindringen kann. Da das zarte Häut¬ 
chen der Darmzotten vom Kalbe und Ochsen von 0,00174 P. Z. 
Dicke noch blutführende Capillargefässe enthält, so kann man sich 
nach dieser Dicke einen Begriff von der Tiefe machen, bis zu wel¬ 
cher aufgelöste Substanzen eindringen müssen, um in die erste 
Schicht von Capillargefässen einer von Epidermis freien Haut ein¬ 
zudringen. Ich spannte nun über ein Gläschen von sehr dünnem 
Hals die Urinblase eines Frosches, und bei einem zweiten Ver¬ 
suche die Lunge eines Frosches, nachdem ich vorher etwas von 
einer Auflösung von blausaurem Kali in das Gläschen gethan 
batte; auf die Oberfläche des nassen Häutchens brachte ich mit 
einem Pinselchen etwas von einer Auflösung eines Eisensalzes (salz- 
saures Eisenoxyd). In demselben Moment drehte ich das Gläschen 
um, so dass das blausaure Kali die innere Fläche des Häutchens be¬ 
rührte. In nicht längerer Zeit als einer Seconde hatte sich ein 
schwacher blauer Fleck gebildet, der bald stärker wurde; daraus 
geht hervor, dass aufgelöste Stoffe spurweise innerhalb einer Se-
        

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