Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Erster Band, dritte verbesserte Auflage
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17251/198/
3. Ursachen der Ilerzlheilig keit. Nervensystem. 
193 
plicirt, nicht im Stande sind, Bewegung in den Muskeln zu erre¬ 
gen, zu welchen die Spinalnerven hingehen. Siehe III. Büch. 
Scarpa hat nun in der neuern Zeit zu zeigen gesucht, dass der 
Nervus sympathicus, der in der Brust mit dem Anfänge der Spi¬ 
nalnerven zusammenhängt, doch hioss mit den hinteren Wurzeln 
der Spinalnerven, nicht aher mit den vorderen in Verbindung 
stehe, und dass also der Nervus sympathicus weder vom Bücken¬ 
marke aus zur Erregung des Herzens bestimmt werden könne, 
noch selbst motorische Kraft besitze. Scarpa de gangliis nervorum 
decpie origine et essentia n. intercostalis ad H. Weber. Annal, uni¬ 
vers. d. medicina. Magg. e Giugn. 1831. Wutzer’s und meine ei¬ 
genen Untersuchungen, so wie die von Retzius und Mayer, haben 
indess gezeigt, dass Scarpa’s spätere Ansicht unrichtig ist, und 
dass die Rami communicantes inter n. sympathicum et nervös spi¬ 
nales, sowohl von der vordem motorischen, als von der hintern 
sensibeln Wurzel der Spinalnerven ihre Fäden erhalten. Siehe 
Meckel’s Archiv 1831. 1. p. 85. u. 260. 
Mit der Untersuchung des Einflusses des Rückenmarkes und 
Gehirns auf die Bewegungen des Herzens haben sich auf experi¬ 
mentellem Wege besonders Legallois, Philip, Trevirahus, Nasse, 
Wedemeyer, Clift und Flourens beschäftigt. 
Legallois trat mit neuen Thatsachen in seinem Werke {exp. 
sur le principe de la vie. Paris 1812.) hervor, nach welchen der 
Grund der Herzthätigkeit nur in dem Rückenmarke gelegen seyn 
sollte. Legallois Beweise lassen sich auf folgende Hauptpunkte 
reduciren. 
Zerstört man bei einem Tbiere den Cervicaltheil des Rücken¬ 
markes und die Medulla oblongata, so hört das Atlunen wegen 
der Zerstörung der Quelle der Athemnerven, nämlich der Me¬ 
dulla oblongata und des Rückenmarkes, auf. Der Herzschlag dau¬ 
ert schwächer noch fort, ohne längere Zeit den Blutlauf unter¬ 
halten zu können, und die zur Unterhaltung der Circulation nö- 
thige Stärke der Herzbewegung lässt sich durch künstliche Re¬ 
spiration nicht erwecken. Die theilweise und in Pausen aufein¬ 
ander folgende Zerstörung des Rückenmarkes unterhält die Herz¬ 
bewegung länger als die plötzliche Zerstörung. 
Der Kreislauf des Blutes hört auch auf, wenn man nur den 
untern Theit des Rückenmarkes durch Einstossen eines Griffels 
vernichtet. Auch dann wird er durch künstliche Respiration 
nicht wieder erregt. 
Aus diesen Versuchen schloss Legallois, dass der Nervenein¬ 
fluss auf die Herzthätigkeit von dem Rückenmarke ausgehe, und 
zwar nicht von einem bestimmten Theile des Rückenmarkes, son¬ 
dern von dem ganzen Rückenmarke. Wenn diess wahr ist, schloss 
Legallois, so wird nach Zerstörung eines Theiles des Rücken¬ 
markes die Nervenkralt des unversehrten Theiles nicht mehr hin¬ 
reichen, das Herz zur Bewegung der ganzen Masse des Blutes zu 
erregen. Allerdings wird sie aber hinreichen, bei künstlichem 
Athmen das Blut durch einen Theil des Gefässsystems zu treiben. 
Legallois schloss weiter, dass, wenn man nach partieller Zerstö¬ 
rung des Rückenmarkes den Weg des Blutes durch das ganze 
M tiller’s Physiologie. I, j[3
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.