Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Erster Band, dritte verbesserte Auflage
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17251/153/
148 I. Buch. Von den organ. Saften etc. I. Ahschn. Vom Blut. 
des Uchergangs aus dem einen in den andern Körper allzuleicht 
gerinnt. Blut von einer andern Art, dessen Körperchen dieselbe 
Gestalt, aber verschiedene Grösse haben, bewirkt eine unvoll¬ 
kommene Herstellung, und gewöhnlich stirbt das Thier in 6 Ta¬ 
gen. Der Puls wird dann beschleunigt, das Athrnen bleibt nor¬ 
mal, die Warme sinkt sehr schnell. Die Excretionen sind schlei¬ 
mig und blutig. Die geistige Thätigkeit scheint nicht abgeändert. 
Einspritzen von Blut mit Kreiskörperchen in die Gelasse eines 
Vogels (von elliptischen und grösseren Körpereben) bewirkt hef¬ 
tige und der stärksten Vergiftung ähnliche Nervenzufälle, gewöhn¬ 
lich den Tod, selbst sehr plötzlich, auch wenn eine geringe 
Menge eingespritzt wurde. So war z. B. die Wirkung von Schaf- 
blut auf Enten. Biscuoff’s Beobachtungen wichen in dem Punkte 
ab, dass geschlagenes und dadurch seines Faserstoffs beraubtes 
Blut ohne alle schädliche Folgen in die Venen eines Vogels ein¬ 
gespritzt werden kann. Auf Frösche wirkt selbst das geschlagene, 
transfundirte Blut nachtheilig, besonders Menschenblut, weniger 
das der Säugethiere und Vögel, am wenigsten das der Fische. 
Der Erfolg der Transfusion des geschlagenen Blutes der drei 
hohem Thierklassen war hier regelmässig der Tod nach einigen 
Stunden. Der Kreislauf zeigte sich immer schnei! geschwächt. 
•Regelmässige Folgen der Transfusion waren Exsudationen von 
Serum und selbst von Blutkörperchen, sowohl des eingespritzten 
Blutes als Blutkörperchen des Frosches. Vergl. die Transfusion 
des Blutes, von Dieffenbach. Berlin 1828. Eine unvorsichtige In¬ 
jection von Luit in die Adern und das Blut eines lebenden Thie¬ 
ves tödtet fast auf der Stelle durch llinderniss des Blutlaufs in 
den kleinen Gefässen und im Herzen, indess sehr kleine Quanti¬ 
täten nicht allein von atmosphärischer Luft und Sauerstoffgas, 
sondern selbst von irrespirabeln Luftarten, wie Stickgas, Stickgas¬ 
oxydul, Wasserstoffgas, Kohlenwasserstoffgas, Kohlensäuregas, Koh¬ 
lenoxydgas, in Nysten’s Versuchen ohne tödtlichen Erfolg injicirt 
wurden. Nur Salpetergas, Schwefelwasscrstoffgas, Ammoniakgas 
und Chlorgas waren absolut lethal. Nvsten recherches de physiol, 
et de clum. palhol. Paris 1811. 
t>. Thätigkeitsäusserungen im Blute selbst. 
Unstreitig muss das Blut als eine in sich lebendige Flüssig¬ 
keit aufgefasst werden, aber es hat bis jetzt nicht gelingen wol¬ 
len, im Blute einen Akt seines Lebens als sichtbares Phaenomen 
darzustellen. C. H. Schultz hat von einer sichtbaren lebendigen 
Wechselwirkung der einzelnen Blutmolecule und der Substanz 
der Gelasse gesprochen, zufolge welcher die Blutmolecule nicht 
verharrend bestehen, sondern sich von neuem bilden und un¬ 
tergeben. G. II. Schultz der Lelensproccss im Blute. Berlin 1822. 
Tu seinen neueren Mittheilungen erklärt sich der Verfasser be¬ 
stimmter dahin, dass den Blutkörperchen selbst jede Bewegung 
fehle, dass die flimmernden Bewegungen des Blutes, (welche'man 
an dem, in den Gefässen fliessenden Blute beim Sonnenlicht sieht), 
den flüssigen Theilen des Blutes angehöre. Diese oscillatorische 
Bewegung erkenne man noch an den feinsten Saftströmen, wenn
        

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