Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der Physiologie des Menschen für Vorlesungen. Erster Band, dritte verbesserte Auflage
Person:
Müller, Johannes
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17251/118/
1. Mikrosk. median. Analyse. Blutkörperchen. 
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Quantität mit Essigsäure, so erleiden die Blutkörperchen dieselbe 
Veränderung; aber man siebt nun auch, dass die Kerne, welche 
sich zu Boden setzen, ein hellbraunes Pulver bilden, welches sich 
in mehreren Tagen nicht auflöst, und später, mikroskopisch un¬ 
tersucht, noch aus denselben unveränderten Kernen der Blutkör¬ 
perchen besteht. Faserstoff und Eivveiss wird sonst in Essigsäure 
nicht braun, sondern durchscheinend und allmählig etwas dadurch 
aufgelöst. Indessen scheint die braune Farbe des Pulvers von 
etwas noch anhängendem und vielleicht chemisch verändertem 
Farbestoff herzurühren; denn die Kerne der Blutkörperchen, 
welche man durch Behandlung der Blutkörperchen mit Wasser 
in grösserer Quantität auf die angezeigte Art erhält, sind weiss, 
und bleiben, mit Essigsäure begossen, ein weisser Satz. Die 
hierzu angewandte Essigsäure war als chemisch rein geprüft, 
und etwas mehr concentrât als die Essigsäure der preussischen 
Pharmacopoe. 
Salzsäure löste unter dem Mikroskope die Blutkörperchen 
nicht bis auf ihre Kerne auf, sie wurden nur unmerklich kleiner. 
Cldorgas entfärbte das Froschblut; zuerst wird es nämlich bräun¬ 
lich, aber schnell ganz weisslich; dabei gerinnt das Eiweiss in 
Kügelchen. Später, mikroskopisch untersucht, zeigen sich in der 
weissen Materie noch die Formen der Blutkörperchen, sie sind 
aber etwas kleiner. Man kann den Versuch so anstellen, dass 
man die Röhre, wodurch man Chlorgas leitet, mit Froschblut in¬ 
wendig bestreicht, oder dass man in ein mit Chlorgas gefülltes, 
sehr enghalsiges Glas Froschblut hineinfliessen lässt und das Glas 
schnell verstopft. Das Blut fliesst nun eine Strecke an den Wän¬ 
den herab, gerinnt aber sehr schnell. Sauerstoffgas und Kohlen¬ 
säure verändern die Form der Blutkörperchen nicht. 
Liquor kali caustici veränderte die Form der Blutkörperchen 
nicht, sondern machte sie in ihren natürlichen Dimensionen im¬ 
mer kleiner, so dass sehr schnell nicht allein die Hülle, sondern 
auch der Kern ohne Spur aufgelöst wurde. Liquor amrnonii cau¬ 
stici löste die Körperchen noch schneller auf, und veränderte 
im Momente der Berührung schon die Körperchen ins Runde. 
Auch die Kerne wurden spurlos aufgelöst. Alkohol verändert die 
Körper nicht; sie schrumpfen nur ein wenig ein, und werden 
wegen der Kügelchen von Eiweiss, die sich durch Gerinnung aus 
dem Serum bilden und das Gesichtsfeld trüben, undeutlich. 
Strychnin und Morphium brachten in den Körperchen keine 
Veränderung hervor. 
Hie Blutkörperchen sind im arteriösen und venösen Blute von 
gleicher Fo rin und gleicher Grösse, was mit den Angaben des 
sonst genauen Kaltenbrunner im Widerspruch steht, welcher be¬ 
hauptet, dass die Blutkörperchen in den Capillargefässen etwas 
anschwellen, und dass zugleich ihre Ränder weniger umschrieben 
werden und etwas zerfliessen. Ich fand auch, dass die Form der 
Blutkörperchen durchaus nicht verändert wurde, als ich Fröschen 
uie Lungen ganz unterband und darauf abschnitt, worauf sie noch 
. Stunden lebten, wahrscheinlich durch Athmen mit der flaut, 
Wie die Fische in v. Humboldt’s und Provekçal’s Versuchen. 
Wütier's Physiologie. I. s
        

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