Bauhaus-Universität Weimar

Ueber Jodfette und ihr Verhalten im Organismus, nebst Unter¬ 
suchungen über das Verhalten von Jodalkalien in den Geweben 
des Körpers. 
Von 
Dr. Hugo Winternitz. 
(Aus dem hygienischen Institut der Universität Berlin.) 
(Der Redaction zugegangen am 15. Januar 1893.) 
In meiner vorläufigen Mittheilung «Ueber das Verhalten 
von Jodfetten im Organismus und ihre therapeutische 
Verwendung»1) sind die damals gewonnenen Erfahrungen in 
Kürze zusammengefasst. Die nachfolgende Mittheilung bringt 
die näheren Darlegungen und einen Nachweis über die wich¬ 
tigeren Versuche. 
Ueber Jodfette und die Methode ihrer Darstellung. 
Die Fähigkeit der Fette, sich mit den Halogenen zu ver¬ 
binden, ist den Chemikern zwar lange bekannt, hat aber prak¬ 
tische Bedeutung erst gewonnen, seit v. Hübl ein einfaches und 
zuverlässiges Verfahren angegeben hat, das Jod-Additions¬ 
vermögen der Fette festzustellen. Theoretisch werden die 
Halogene von den Fetten in dem Maasse addirt, als die Fette 
Glieder der ungesättigten Fettsäuren bezw. deren Triglyceride 
enthalten. Während die gesättigten Fettsäuren unter gewöhn¬ 
lichen Verhältnissen von den Halogenen nicht angegriffen werden, 
addirt die Gruppe der Acrylsäuren (Oelsäure, Erucasäure) 2 
Atome, die Gruppe der Tetrolsäure (Leinölsäuren) 4 Atome eines 
Haloides. Dabei verhalten sich aber die Halogene keineswegs 
gleichwerthig, am leichtesten findet die Aufnahme von Brom statt. 
Schüttelt man ein Fett oder ein fettes Oel mit Bromwasser 
i) Deutsche medic. Wochenschr., 1897, Nr. 23.
        

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