Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber ein eigenthümliches Nahrungsmittel, nebst einigen Beobachtungen über darin angetroffene Fäulnissbasen
Person:
Mörner, Carl Th.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit17131/2/
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M Sonne fast den ganzen Tag ausgesetzt ist, aufgestapelt, 
liier sollen sie 4—5 Wochen liegen bleiben, wobei der Fort¬ 
gang der Gährung 'durch Offnen eines seitlich angebrachten 
kleinen Ventils controllirt wird. Wenn diesedroht zu heftig 
zu werden, müssen dit* Gefässe in den Schatten oder-nach 
einem kühleren Ort hingerollt werden, wo Hie Gährung wieder 
abnimmt. Wenn das beabsichtigte Gährungsstadium erreicht 
id. dessen Beurtheilung eine Geschmacksfrage ist, werden die 
(refasse geöffnet, und die fertige Waare wird in kleiner«* Ge¬ 
bisse zur Aufbewahrung verpackt. 
Sorgfältig in dichte Fässer verpackt, ist der Gähr¬ 
strömling ziemlich haltbar; bekommt das Fass aber ein Leck, 
dass die Lake ausläuft, oder ist es einmal schon geöffnet 
worden, dauert es nur wenige Wochen, bis die Wraare un¬ 
brauchbar wird. Der Gährströmling wird roh oder gebraten 
gegessen. Wenn es sich um ein Nahrungsmittel von so ex¬ 
quisitem Geruch und Geschmack, wie sie dem Gährströmling 
«igeu sind, handelt, ist es natürlich, dass die subjective An¬ 
sicht über seine Schmackhaftigkeit in zwei ganz entgegen¬ 
gesetzten Richtungen geht: manche — und sie repräsenlircn 
in den Provinzen, wo dieses Nahrungsmittel selten vorkommL 
die Mehrzahl — sehen den Gährströmling mit Absehen an. 
andere essen ihn ausserordentlich gern, wenn auch zugeständen 
werden muss, dass diese erst nach kürzerer oder längerer 
I ebung dazu gekommen sind. 
Dass der ausgeprägte Charakter des Gährströmlings von 
»inei chemischen Veränderung des Rohstoffes. «I«> 
frischen Strömlings, herrührt, und dass Bakterien dabei ihr 
>!>äl treiben, liegt offen zu Tage; von der Art aber dieser 
Veränderung weiss man bis heute nichts, wesHialb ich. eine 
• mgehendere Untersuchung darüber angest«*llt habe. 
Vorläufig möchte ich summarisch constatireii. dass d<*r 
'■«ahrströmling oft in reichlicher Menge eine grosse Anzahl 
v» rschiedeiu r Verbindungen, sowohl Säuren, Basen wie auch 
II ■1111 indifferente Stoffe, enthält, die im frischen Rohmaterial 
bäht vorhanden sind, welche also den Processen. die wäh- 
1 nd der Bereitung slaftfinden. ihre FnUtehung verdank, n.
        

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