Bauhaus-Universität Weimar

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verschiedener solcher Stoffe, welche schwerer und leichter 
hydrolysirbar bezw. oxydabel sind,, scheint mir. den Gesetzen 
der .Muskelleistung entsprechender, als die Voraussetzung eines 
einzigen Nährstoffes zu sein. 
Weil bei gleichen Reizen und zunehmender Belastung 
bis zu einem bestimmten Grade vom Muskel nicht nur mehr 
Arbeit geleistet, sondern auch mehr Wärme producirl wird, 
>o muss bei stärkerer Belastung eine grössere Menge chemischer 
Spannkraft verbraucht werden als bei geringerer Belastung; 
die Auslösung dieser potentiellen Energie kann nicht durch 
den ursprünglichen Reiz in vollem Maasse geschehen, sondern 
muss durch die vermehrte Belastung bewirkt werden Dass 
durch die Belastung die directe Wirkung des Reizes selbst 
vermehrt werde, ist nicht anzunehmen, weil der Schwellen- ' 
werth des Reizes unabhängig von der Belastung ist. • Wohl 
aber kann man sich vorstellen, dass bei grösserer Belastung 
be, welcher der Muskel in Folge der durch den Reiz aus- 
geloslen ungenügenden Menge Energie zunächst keine' Arbeit 
leisten kann, diese Energie so lange in Wärme umgesetzt 
wird, bis diese ausreicht, um den Zerfall eines änderen 
schwieriger hydrolisirbaren und oxydirbaren Körpers durch 
den lortbestehenden Reiz zu ermöglichen und somit auch 
dessen chemische potentielle Energie auszulösen und in Arbeit 
"nd WOnne. umzusetzen. Diese Vorstellung würde erfordern i 
dass zur Leistung ein und derselben Arbeit ein grösserer Stoff- 
umsatz nothwendig wäre, wenn sie in weniger -grösseren, als 
ui mehreren kleineren Leistungen verrichtet wird Dies ist 
ja thatsächlich der Fall. 
Die Annahme verschiedener Energiestoffe der Muskeln 
bedeutet durchaus nicht, dass der Muskel die chemische 
potentielle Energie aus verschiedenen Atomgruppen jn Arbeit 
mnzuselzen hat. Es können aus den Energiestoffen immer 
ueselben Complexe verwendet werden, es kann somit das 
Arbeitsmaterial der Muskel ein einheitliches sein, auch wenn 
■ knergiestoffe verschiedene sind. 
Leipzig, 8. December 1895. 
Zeitschrift für physiologische Chemie. XXI. '
        

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