Bauhaus-Universität Weimar

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klärung mehrerer beiin Stoffwechsel des Muskels bekannten 
Beobachtungen. 
In erster Linie leuchtet ein, dass beim Verbrauch der 
Phosphorfleischsaure vom arbeitenden Muskel Kohlensäure 
durch Hydrolyse, ohne Verbrauch von Sauerstoff entstehen 
muss. Seit der Entdeckung Hermann’s*), dass bei der Muskel- 
thätigkeit ohne Oxydation Kohlensäure entsteht, wissen wir, 
dass im Muskel Substanzen vorhanden sind, welche ohne 
Zufuhr von Sauerstoff bei ihrer Zersetzung Kohlensäure liefern. 
In der Phosphorfleischsäure ist dieser oder einer dieser Körper 
erkannt worden. 
In einer grossen Reihe von Untersuchungen ist die Frage, 
ob bei der Muskelthätigkeit Phosphorsäure gebildet wird, be-/ 
handelt worden. Neuerdings ist sie durch Klug und 01- 
sa vsky *) endgültig in bejahendem Sinne beantwortet worden. 
VVey.l und Zeitler8) suchten nach der die Phosphorsäure 
liefernden Substanz und sprachen die Vermuthung aus, dass 
diese Nuclein sei, da das Lecithin nach ihren Befunden nur 
unbedeutend verbraucht wird. Jetzt ist als Quelle der Phos¬ 
phorsäure die Phosphorfleischsäure anzusehen, die wegen ihrer 
nahen Verwandtschaft zu den Nucleïnen als Nucleon bezeichnet 
wurde. 
Ist die ausgesprochene Ansicht, dass Milchsäure bei der 
Hydrolyse aus Phosphorfleischsäure entsteht, richtig, so würde 
auch ein Beitrag zur Erklärung der Bildung dieser Säure bei 
der Muskelarbeit geliefert sein. 
Ob nur die Kohlehydratgruppe oder auch die Stickstoff¬ 
gruppe der Phosphorfleischsäure verbraucht wird, lasse ich 
dahingestellt. Vielleicht bleibt diese verschont und wird zum 
Wiederaufbau von Phosphorfleischsäure mit Hülfe der durch 
das Blut zugeführten Kohlehydrate verwendet. 
Es liegt mir fern, die Phosphorfleischsäure als den 
Energiestoff der Muskeln anzusprechen. Denn die Annahme 
*) L. Hermann: Untersuchungen über den Stoffwechsel der 
Muskeln. Heidin 1867. 
* ! I* 11 u g er * s Arch., Bd. 54, S. 21, 
:,i Zeit sehr. f. physiol. Chemie. Bd. 6, S. 557. 
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