Bauhaus-Universität Weimar

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J 
Jahren erschienen ist, hat Hoppe-Seyler gemeinschaftlich 
mit Thierfelder bearbeitet. 
Nicht minder bedeutungsvoll ist das grosse Werk H o p p e- 
Seyler’s «Physiologische Chemie» (Berlin 1877 — 1881), 
welches in vier Abtheilungen eine ebenso erschöpfende als 
klare Darstellung der damaligen Entwickelung dieser Wissen¬ 
schaft und ihrer bisherigen Errungenschaften gibt. In diesem 
Buche, in welchem die zahlreichen Beziehungen der physio¬ 
logischen Chemie zu allen Zweigen der Medicin und der 
Naturwissenschaften verfolgt und berücksichtigt werden, offen¬ 
bart sich dem Leser das vielseitige und umfassende Wissen 
Hoppe-Seyler’s ebenso sehr als seine Originalität in der 
Behandlung und Betrachtung der Lebenserscheinungen. Wie 
er hier seine Aufgabe erfasste, sagen am besten seine eigenen 
Worte in der Vorrede : 
«Es ist nicht mein Bestreben gewesen, die grosse 
Unsicherheit und die zahlreichen Lücken der chemischen 
Kenntnisse des Baues und der Lebensvorgänge der Orga¬ 
nismen durch kühne Hypothesen und wohlklingende Phrasen 
zu verdecken, ich habe mich viel mehr bemüht, das that- 
sächlich Feststehende abzugrenzen, die Unsicherheit und 
Mängel hergebrachter Annahmen und Vorstellungen hervor¬ 
treten zu lassen, der gegründeten Hypothese aber, ent¬ 
sprechend der sie stützenden thalsächlichen Basis, den 
berechtigten Platz einzuräumen». 
In einer jungen Wissenschaft, welcher von sehr vielen 
Seiten her Bausteine ungleicher Art und von sehr verschie¬ 
denem Werthe zugetragen werden, ist die Kritik seitens eines 
so weitblickenden und kenntnissreichen Forschers, wie es 
Hoppe-Seyler war, von ebenso grossem Werthe, als selbst 
die Förderung neuer Thatsachen. Je schwieriger die experi¬ 
mentelle Lösung von Fragen, welche mit dem Leben Zusammen¬ 
hängen, ist, um so kühner und gewagter sind bekanntlich 
die Hypothesen, welche Vieles oder Alles durch eine mehr 
oder minder scharfsinnige Speculation erklären wollen. Dass 
eine purificirende Kritik hierbei zu manchen Conflicten führt, 
ist eine naturgemässe Erscheinung. Wer die polemischen
        

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