Bauhaus-Universität Weimar

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Harn angewendet wissen. Aber es ist von vornherein klar 
lind man kann sich, wie ich es gethan habe, leicht durch 
Versuche davon überzeugen, dass sich bei Verwendung von 
selbst sehr lichten Harnen der Umschlag von braun in 
zitronengelb keineswegs scharf erkennen lässt. Es wird aber 
verlangt, zu bestimmen, bei welchem Säurezusatz ein in einer 
Reiben Flüssigkeit befindlicher Farbstoff* gerade auch gelb ge¬ 
worden ist. Bei einigermassen dunklen Harnen ist dieser 
Funkt überhaupt nicht festzustellen. Die Resultate, welche 
inan bei der Titrirung von Harn nach diesem Verfahren er¬ 
hält, sind daher unsicher und willkürlich. Da es bei der 
Ermittelung der Alkalescenz des Harns wesentlich auf das 
ciiifachsaure Phosphat ankommt, so ist dieses Verfahren also 
, für diesen Zweck nicht zu brauchen. 
Für die Aciditätsbestimmung soll Poirrierblau 
verwendet werden. Die wässerige Lösung des käuflichen 
hubs toffs ist tiefblau. Diese Farbe behält die Lösung bei 
Anwesenheit von freier Säure, zweifach- und einfachsaurem 
Phosphat, normales Phosphat dagegen und wenig freies Alkali 
färben violett, und bei einem grossen Ueberschuss von Alkali- 
liydrat wird die Farbstofflösung endlich roth. Die Aufgabe 
hei der Titrirung besteht nun darin, durch Zusatz von Lauge 
die vorhandenen Phosphate, das zweifachsaure sowohl als das 
'infachsaure, in normales Phosphat überzuführen. Die Vol¬ 
lendung dieser Reaction sollte durch den Färbenumschlag 
erkannt werden, welchen ein sehr geringer Ueberschuss an 
Lauge hervorbringt. Ein geringer Ueberschuss an Lauge lässt 
aber das Poirrierblau so violett, als es in Gegenwart von 
normalem Phosphat war, und um das Roth in der Lösüng’. 
zu sehen, bedarf es eines so grossen Überschusses an Lauge, 
dass die Titrirung völlig unsicher wird. Der Uebergang des 
Holett in Roth erfolgt überdies sehr allmälig, so dass es ganz 
unmöglich ist, eine scharfe Grenze zwischen Violett und Roth 
test zustellen. Der Farbenumschlag könnte durch einen Üeber- 
chuss an dem blauen Farbstoff verdeckt werden ; aber dieselbe 
Unsicherheit besteht auch dann noch, wenn die Lösungen nur 
mit einer möglichst geringen Menge Farbstoff versetzt werden 
Zeitschrift für physiologische Chemie. XX. U
        

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