Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie des allgemeinen Stoffwechsels und der Ernährung
Person:
Voit, Carl von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16896/72/
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Voit, Allgemeiner Stoffwechsel. 2. Cap. Wege des Stoffverlustes etc. 
von Pettenkofer und mir 1 darthut, bei welchem eine mit den Ele¬ 
menten des dargereichten Fleisches genau übereinstimmende Quantität 
von Elementen ausgeschieden wurde. In den Organen des Thier¬ 
körpers ist das Eiweiss aber auch mit einer gewissen Menge von 
Wasser, Asehebestandtheilen u. s. w. innig verbunden, welche bei 
Zerstörung des Eiweisses überflüssig werden und zugleich mit den 
Zersetzungsprodukten des Eiweisses Weggehen, oder bei einem An¬ 
satz von Eiweiss ebenfalls abgelagert werden müssen. Es hat daher 
für die Uebersicht und die rasche Vergleichung manche Vortheile 
statt auf trockenes Eiweiss auf Eiweiss in Verbindung mit einer ge¬ 
wissen Wasser- und Aschemenge zu rechnen. 
Dies ist um so mehr zulässig, da alle blutreichen Organe des 
Körpers (Muskeln, Leber, Milz, die übrigen Drüsen, die graue Masse 
des Gehirns, Blut u. s. w.), in welchen der Hauptumsatz stattfindet, 
im trockenen Zustande nahezu die gleiche Elementarzusammensetzung, 
sowie auch den gleichen Wasser- und Aschegehalt besitzen, wie die 
Analysen von Playfair und Boeckmann2 ergeben. 
Man3 liât desshalb, nach dem Stickstoffgehalt berechnet, eine 
Masse von mittlerer Zusammensetzung der Zerstörung anheimfallen 
lassen und diese mit dem neutralen Ausdruck „Fleisch“ bezeichnet. 
Darunter soll nicht nur Muskelfleisch verstanden sein, sondern auch 
Leber, Gehirn u. s. w. ; der Thierzüchter spricht von einer Produk¬ 
tion von Fett und Fleisch, und rechnet zu letzterem neben den Mus¬ 
keln auch die Drüsen und andere Organe; er thut dies weil er den 
Erfolg seiner Bestrebungen in den Massen von Fleisch und Fett am 
Schlachtthier ersieht, gegen die alle anderen Substanzen verschwinden. 
Für das „Fleisch“ nimmt man am besten die Zusammensetzung 
des Muskels an; der Muskel giebt einen Mittelwerth für alle blut¬ 
reicheren Organe, er macht den bei weitem grössten Theil der Or¬ 
ganmasse des Körpers nach Abzug des stabilen Skeletes aus und 
betheiligt sich in entsprechendem Maasse an dem Umsatz; er ist end¬ 
lich, wie schon angegeben, in der Nahrung des Fleischfressers das 
hauptsächlichste Nahrungsmittel. 
Damit ist aber selbstverständlich nicht gesagt, dass im Organis¬ 
mus beim Hunger nur die Muskeln der Zersetzung unterliegen oder 
nur Muskelsubstanz angesetzt werde; „Fleisch“ bedeutet zunächst 
nur stickstoffhaltige Substanz und zwar mit einem Gehalt von 3.4 °,o 
1 Pettenkofer u. Voit, Ann. d. Chem. ii. Pharm. 2. Suppl.-Bcl. S. 361 ; Sitzgsber. 
d. bayr. Acad. 1863. S. 547. 
2 Voit, Ztschr. f. Biologie. II. S. 213 u. 234. 1866. 
3 Voit, Ebenda. II. S. 239. 1866, VII. S. 360. 1871.
        

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