Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie des allgemeinen Stoffwechsels und der Ernährung
Person:
Voit, Carl von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16896/530/
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Voit, Die Ernährung. 4. Cap. Die Nahrung. 
lasse sich nicht mit den eben erwähnten statistischen Ermittlungen 
Playfair’s vereinigen. Dieser Widerspruch ist aber nur ein schein¬ 
barer. 
Jeder Mensch vermag je nach seiner Muskelmasse eine bestimmte 
Arbeit zu leisten und braucht zu deren Erhaltung eine gewisse Menge 
von Eiweiss in der Nahrung, gleichgültig ob er Arbeit leistet oder 
nicht. Der schweren Arbeit eines Schmieds oder eines Brauknechts 
oder eines englischen Hafenarbeiters wird sich aber nur derjenige 
Mann unterziehen, welcher sie auch vermöge seiner Muskeln zu lei¬ 
sten vermag; er wird daher zu der Erhaltung der entwickelten 
Arbeitsorgane mehr Eiweiss bedürfen als ein schwacher Schneider. 
Wenn der Letztere auch noch so viel Eiweiss aufnimmt und zersetzt, 
wird er doch nie die Arbeit eines Schmieds thun können. Das mög¬ 
liche Maximum der Arbeit eines Menschen richtet sich nach der 
Entwicklung der Muskeln und in demselben Maasse hat der Arbeiter 
auch Eiweiss in der Nahrung nöthig; deshalb findet man, dass ein 
kräftiger Arbeiter mehr Eiweiss zuführt als ein schwacher, und die 
Eiweisszersetzung bei verschiedenen Individuen meist der Arbeit 
parallel geht. Aber ein und derselbe Mensch zerstört unter sonst 
gleichen Verhältnissen bei der Ruhe und bei der Arbeit die gleiche 
Eiweissmenge. Würde die Arbeit den Eiweissumsatz steigern, dann 
müsste ein Arbeiter an Sonn- und Feiertagen weniger Eiweiss ge¬ 
messen als an den Arbeitstagen; man untersuche aber nur einmal 
die Nahrung eines starken Arbeiters an solchen Tagen und man wird 
erfahren, dass das Eiweissquantum beide Male das gleiche ist, denn 
der Arbeiter würde durch Entziehen von Eiweiss am Ruhetag an 
Muskelmasse verlieren und dann am Arbeitstag nicht mehr die ge¬ 
wohnte Arbeit leisten können. Da bei der Thätigkeit mehr stick¬ 
stofffreie Substanz zerstört wird, so braucht ein Arbeiter am Tage 
der Ruhe weniger stickstofffreie Stoffe und also relativ mehr Eiweiss. 
Es ist darum auch eine Verschwendung an Eiweiss einem mus¬ 
kelkräftigen Arbeiter eine geringere Arbeit zu übertragen als seiner 
Muskulatur entspricht, da er letztere doch ernähren muss und bei 
dem gleichen Eiweissverbrauch mehr zu leisten befähigt wäre. 
Die oben angegebenen Zahlen beziehen sich nur auf einen Ar¬ 
beiter von mittlerer Leistungsfähigkeit und nicht auf einen intensiv 
thätigen, welchem wegen der grösseren Muskelmasse noch mehr Ei¬ 
weiss, bis zu 150 Grm. und darüber, namentlich aber mehr stickstoff¬ 
freie Substanz zu geben ist. Diese bedeutenden Eiweissquantitäten sind 
nicht oder wenigstens nur recht schwer und unter grosser Belastung 
des Körpers durch Vegetabilien zuzuführen (S. 504); es ist hier ein
        

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