Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie des allgemeinen Stoffwechsels und der Ernährung
Person:
Voit, Carl von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16896/504/
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You, Die Ernährung. 4. Cap. Die Nahrung. 
heit des Körpers und je nach den Umständen, unter welchen er lebt, 
ausserordentlich verschieden. Ein kräftiger Mann, der eine tüchtige 
Arbeit leistet, braucht ungleich mehr als ein schwächlicher, keiner 
Anstrengung fähiger Körper. Es gieht einzelne bis aufs Aeusserste 
herabgekommene Personen, welche bei möglichster Ruhe auffallend 
wenig Material zur Bestreitung ihrer geringen Bedürfnisse nöthig 
haben; dies ist jedoch ein krankhafter Zustand ohne Leistungsfähig¬ 
keit, bei dem aber doch noch eine gewisse Menge von allen Nah- 
rungsstoffen erforderlich ist. 
Die Erzählungen von ganzen Völkerschaften, welche nur sehr 
wenig Nahrung aufnehmen und doch thatkräftig bleiben sollen, haben 
sich sämmtlich bei näherer Untersuchung als Fabeln herausgestellt. 
Der Araber der Wüste geniesst nicht nur eine Hand voll Reis oder 
Datteln täglich, die Arbeiter auf den Hochebenen Norwegens voll¬ 
enden ihr schweres Tagewerk nicht nur bei einem Stückchen Flach- 
brod und etwas Käse, so wenig wie die Holzarbeiter im bayrischen 
Gebirge im Winter bei der härtesten Arbeit mit etwas Mehl und 
Schmalz ausreichen. Es hat sich herausgestellt, dass der Hindu und 
der Chinese soviel an Nahrungsstoffen brauchen als wir, und ebenso 
der italienische Arbeiter, von dem behauptet worden ist, dass er nur 
eine äusserst geringe Menge von Mais täglich verzehrt. Man darf 
keinen Angaben der Art, wenn sie von einem Laien gemacht wor¬ 
den sind, Vertrauen schenken, da ein solcher allzuleicht das, was 
ihm nicht wichtig erscheint, für nichts achtet. Es fällt an der Kost 
dieser Völkerschaften vorzüglich das Einerlei auf, dass sie Jahr aus 
Jahr ein fast ausschliesslich Reis oder Mais oder Kartoffeln aufneh¬ 
men, aber man übersieht gewöhnlich dabei, welch grosse Quanti¬ 
täten sie davon gemessen. Es wird sich aus den späteren Mitthei¬ 
lungen ergeben, dass selbst die Trappisten und die am ärmlichsten 
lebenden Menschen wie die Bevölkerung in manchen Distrikten Sach¬ 
sens oder die unglücklichen Nähmädchen Londons, welche gewiss 
nur das Nothwendigste aufnehmen, um ein kümmerliches Dasein zu 
fristen, noch eine nicht unbedeutende Menge von Nahrungsstoffen 
verzehren. 
2. Die einzelnen Nahrungsstojfe müssen in richtigem Verhältniss 
gegeben werden. 
Man kann einen bestimmten Organismus auf die mannigfaltigste 
Weise, mit den verschiedensten Nahrungsmitteln, auf seinem stoff¬ 
lichen Bestände erhalten, ohne dass damit allemal den Anforderungen,
        

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