Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie des allgemeinen Stoffwechsels und der Ernährung
Person:
Voit, Carl von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16896/502/
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Voit, Die Ernährung. 4. Cap. Die Nahrung. 
sind anfangs mit der Fleisch enthaltenden Menage in der Kaserne 
nicht zufrieden. Aus dem gleichen Grunde reichten die an die 
grossen Mengen des schwarzen Kommissbrodes gewöhnten gefangenen 
russischen Soldaten in der Krim mit der Ration des mit Recht so 
gerühmten französischen Weizenbrods nicht aus, es musste ihnen ein 
Zuschuss bewilligt werden. Die nämliche Erfahrung macht man an 
den für den Militärdienst ausgehobenen Bauernpferden, welche sich 
ebenfalls an die Ersetzung einer Portion Heu durch weniger Raum 
einnehmenden Hafer erst gewöhnen müssen. So ist also das Gefühl 
ein trügerisches. Ohne dass wir es in der ersten Zeit bemerken, 
kann eine Kost in allen Nahrungsstoffen oder nur für den einen oder 
andern ungenügend sein. Um aus einer Schädigung des Körpers 
oder aus der Leistungsunfähigkeit auf eine unrichtige Ernährung z. B. 
auf eine zu geringe oder eine übermässige Aufnahme des einen oder 
anderen Nahrungsstoffes zu schliessen, müsste man' häufig lange Zeit, 
Monate lang, die betreffende Kost aufnehmen. 
Es giebt für den besagten Zweck keinen anderen Weg als den 
des direkten Versuchs am lebenden Organismus und die Ermittlung 
der Bilanz der Einnahmen und Ausgaben; eine chemische Analyse 
versetzt uns nicht in die Lage, über den Werth eines Gemenges als 
Nahrung in einem gegebenen Falle zu urtkeilen. 
Aber auch wenn man auf solche Weise die Grösse des Stoff¬ 
verbrauchs und den Bedarf an den einzelnen Nahrungsstoffen für 
einen bestimmten Organismus in einem gewissen Falle kennen ge¬ 
lernt hat, ist es nicht so einfach die Nahrungsstoffe in der gefundenen 
Menge in der besten Nahrung dem Körper zuzuführen. Denn wir 
mischen unsere Nahrung niemals aus den einfachen Nahrungsstoffen 
zusammen, wir nehmen nur wenige der letzteren für sich z. B. Zucker, 
reines Stärkemehl, Fett, Kochsalz u. s. w. zu uns, sondern wir setzen 
die Nahrung aus Nahrungsstofifen und den mannigfaltigsten Nahrungs¬ 
mitteln, in denen die Nahrungsstoffe in den verschiedensten Ver¬ 
hältnissen sich befinden, zusammen und dies macht die Sache com- 
plizirt. 
Sowie die angenehmen und nützlichen Folgeerscheinungen den 
Menschen darauf geführt haben, das gleiche Alkaloid im Kaffee und 
Thee zu finden, so hat er auch, durch lange Erfahrung belehrt, in 
den meisten Fällen die passende Nahrung sich gewählt, und es wird 
sich im gewöhnlichen Leben, auch wenn einmal die Wissenschaft 
die ganze Ernährungslehre beherrscht, kaum etwas Wesentliches in 
der Wahl der Speisen ändern. Es wird zwar in vielen Fällen, selbst 
von ganzen Völkerschaften, z. B. den Irländern und Japanesen, eine
        

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