Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie des allgemeinen Stoffwechsels und der Ernährung
Person:
Voit, Carl von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16896/496/
488 
Voit, Die Ernährung. 3. Cap. Die Nahrungsmittel. 
malischen Kost (390 Grm. Fleisch mit 126 Grm. Fett) nur 28 Grm. 
trocknen Koth mit 17 % des verzehrten Stickstoffs. 
Die vegetabilischen Nahrungsmittel enthalten meist absolut und 
relativ, gegenüber den stickstofffreien Stoffen, weniger Eiweiss ; selbst 
die stickstoffreichsten Gebilde der Pflanzenwelt, die Hülsenfrüchte, 
schliessen auf 100 eiweissartige Stoffe 260 stickstofffreie ein. Durch 
die absolut geringere Menge von Eiweiss in den Yegetabilien und 
durch den Ueberschuss der stickstofffreien Stoffe wird ein Unter¬ 
schied gegenüber den animalischen Substanzen hervorgebracht. Man 
ist jedoch im Stande aus Yegetabilien absolut ebensoviel Eiweiss 
zur Resorption zu bringen wie aus animalischen Substanzen z. B. 
durch Zusatz von Leguminosen zur Pflanzenkost des Menschen oder 
von Hafer zum Futter des Pferdes. Auch die Schnelligkeit der 
Resorption des Eiweisses aus dem Darm kann einen bestimmten 
Effekt hervorrufen; aus den Nahrungsmitteln aus dem Thierreich 
wird das Eiweiss meist ungleich rascher in die Säfte aufgenommen, 
so dass dabei in der Zeiteinheit mehr in Cirkulation geräth und 
zersetzt wird als bei Pflanzenkost. 
Durch alle diese Umstände unterscheiden sich viele der pflanz¬ 
lichen Nahrungsmittel von den thierischen. Es kann nicht zweifel¬ 
haft sein, dass im Allgemeinen die ersteren dem Darm mehr Arbeit 
aufbürden. Es ist meist längere Zeit erforderlich, die darin ent¬ 
haltenen Nahrungsstoffe in lösliche Modificationen überzuführen; ein 
Pflanzenfresser verdaut nahezu Tag und Nacht, während der resor- 
birende Theil des Darms des Fleischfressers in IS Stunden nach 
einer Mahlzeit, die ihm für 24 Stunden ausreicht, leer ist. Ein 
Pflanzenfresser muss mindestens 3 mal des Tags Futter vorgesetzt 
erhalten und er kaut lange Zeit daran herum, der Fleischfresser da¬ 
gegen verschlingt in einigen Augenblicken das für 24 Stunden nöthige 
Quantum. 
Es ist unmöglich durch irgend einen Zusatz z. B. von etwas 
Fleisch (S. 468) oder von Fleischextrakt (S. 355, 451, 46S) oder von 
Nährsalzen (im Horsford - Liebig - Brod) jene Unterschiede auszu¬ 
gleichen, da dadurch die Ursachen, durch welche dieselben hervor¬ 
gerufen werden, keine Aenderung erfahren. Ich habe schon (S. 451) 
angegeben, dass Liebig den Hauptunterschied der animalischen und 
vegetabilischen Nahrung in den in ersterer enthaltenen Extrakten 
suchte und deshalb meinte, durch Zusatz der Extrakte des Muskels 
der vegetabilischen Nahrung die Wirkung der animalischen verleihen 
zu können. Die ungleichen Wirkungen der beiden Classen von Nah¬ 
rungsmitteln sind aber durch die vorher angegebenen Momente be-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.