Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie des allgemeinen Stoffwechsels und der Ernährung
Person:
Voit, Carl von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16896/414/
406 Voit, Die Ernährung. 1. Cap. Bedeutung der einzelnen Nahrungsstoffe. 
der Darm zu resorbiren vermag. Giebt man aber einem Fleischfresser 
neben dem Eiweiss noch Fett, so wird der Vorrath des cirkulirenden 
Eiweisses und damit die Eiweisszersetzung geringer; man braucht 
daher in diesem Falle wesentlich kleinere Mengen von Eiweiss, um 
die Eiweissabgabe zu verhüten, und ist zugleich im Stande, auch den 
Fettverlust zu hindern. Es ist ferner nicht möglich mit Eiweiss allein 
einen mageren Organismus reich an Eiweiss und Fett zu machen ; 
nur bei einem Zusatz von Fett (oder Kohlehydraten) kommt Eiweiss 
und Fett in grösserem Umfang zur Ablagerung. 
Für die Erhaltung und Vermehrung von Eiweiss und Fett am Thier 
kommt es vor Allem auf das richtige Verhältniss der beiden Stoffe im 
Körper und in der Nahrung an; ein Ueberschuss von Eiweiss macht, 
dass wesentlich mehr davon zu den genannten Zwecken nöthig ist. 
Dadurch tritt die hohe Bedeutung des Fettes in der Nahrung 
und im Körper hervor. Das leicht zerlegiiche gelöste Eiweiss ist 
es, welches den Gang der Zersetzung bestimmt; aber das Fett soll 
durch seine Wirkung auf den Vorrath des cirkulirenden Eiweisses 
den Verbrauch und Bedarf an Eiweiss auf das gehörige Maass herab¬ 
setzen, so dass nur ein Theil der Kraft der Zellen zur Spaltung des 
Eiweisses verwendet wird und der Rest dazu dient, Fett zu zerlegen. 
Die Muskelarbeit verleiht der Zelle die Fähigkeit mehr Stoff zu zer¬ 
fallen; nach dem Verbrauch des disponiblen Eiweisses wird dazu 
das Fett in Anspruch genommen: darum ist nichts von grösserem 
Einfluss auf den Fettumsatz als die Arbeit und hat der Arbeiter in 
der Nahrung mehr Fett (oder Kohlehydrate) nöthig. 
Das im Körper unter dein Einflüsse von Fett (oder Kohlehydraten) 
abgelagerte Fett bedingt nicht allein einen geringeren Zerfall von Ei¬ 
weiss, sondern es dient auch als ausgiebiges Reservoir für Zeiten der 
Noth, namentlich für den Arbeiter. Wäre das Fett leichter zersetz- 
lich als das Eiweiss, so könnte eine solche Aufspeicherung nicht 
stattfinden. Ein mit Fett in mittlerem Grade versehener Körper ist 
dauernden Anstrengungen besser gewachsen als ein fettarmer ; er er¬ 
trägt den Hunger ungleich länger, während beim Mageren nach Ver¬ 
brauch des Fetts die Eiweisszersetzung rapid ansteigt, wodurch dem 
Leben frühe ein Ende gemacht wird. Für beschwerliche Touren, 
auf die man nicht die volle Nahrung mittragen kann, beschränken 
sich die Gebirgsbewohner auf Schmalz, das für sie wichtiger ist als 
das Eiweiss, da bei der Anstrengung vorzüglich das Fett angegriffen 
wird und der Fettverlust auch den Eiweissverbrauch steigert. Einem 
Rekonvalescenten oder Kranken muss man allerdings Eiweiss geben, 
um die Zersetzung in den Zellen in gehörigen Gang zu bringen, aber
        

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