Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie des allgemeinen Stoffwechsels und der Ernährung
Person:
Voit, Carl von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16896/388/
380 Voit, Die Ernährung. 1. Cap. Bedeutung der einzelnen Nahrungsstoffe. 
nährungszustande und hatten das gleiche Körpergewicht; aber einige 
Monate später war bei der ersteren ohne andere Störungen und ohne 
Abmagerung ein Flügelknochen gebrochen, und bei der Section zeigte 
sich in hohem Grade das, was man Osteoporose nennt. Die Kno¬ 
chen waren zum Theil ganz dünn geworden und zwar im Gegen¬ 
sätze zu dem Befunde bei den rhachitischen jungen Thieren vor Allem 
diejenigen Knochen, welche nicht oder in geringerem Grade durch 
Muskeln bewegt werden. Die Knochen hatten also nicht gleich- 
massig an Gewicht verloren; die der Extremitäten waren nur wenig 
leichter geworden, das Brustbein und der Schädel waren dagegen 
zu ganz dünnen siebartigen Plättchen zusammengeschrumpft. Da man 
nicht wohl annehmen kann, es werde von den ersteren weniger Kalk 
weggenommen, so ist nur die früher (S. 98. 312) schon ausgespro¬ 
chene Vorstellung möglich, dass die Knochen ziemlich gleichmässig 
Kalk verlieren, aber diejenigen, welche stärker benutzt werden, den 
Kalk aus den Säften wieder ergänzen. 
Beim Hunger wird noch Kalk ausgeschieden, vorzüglich aus dem 
zerstörten Organeiweiss stammend. Ein grosser hungernder Hund 
von 34 Kilo Gewicht scheidet im Mittel 0.074 Grm. Kalk im Harn 
und 0.14 Grm. Kalk im Koth aus.1 Vom hungernden Thier wird 
mehr Kalk abgegeben als bei Zufuhr von Ossein (siehe S. 305 u. 319) 
oder von aschefreier Nahrung, welche die Zersetzung des Organ- 
eiweisses verhüten. Aus dem schon S. 359 angegebenen Grunde 
muss man aber in der Nahrung mehr Kalk reichen als beim Kalk¬ 
hunger und beim allgemeinen Hunger zu Verlust geht. Ein Theil 
des beim Hunger abgeschiedenen Kalks rührt von den Knochen her, 
deren organische Grundlage dabei angegriffen wird wie das übrige 
Gewebe, wodurch der darin abgelagerte Kalk frei wird.'2 
Die Art der Resorption des Kalks vom Darm aus in die Säfte 
ist noch nicht ganz aufgeklärt. So viel ist sicher, dass der Kalk 
nur in geringer Menge in* die Säfte übergeht, wenn auch viel davon 
in der Nahrung zur Verfügung steht. 
Man dachte sich früher, die in Wasser löslichen Kalksalze würden 
rasch in das Blut aufgenommen, die übrigen leicht durch den sauren 
Magensaft gelöst und dann resorbirt. Jedoch werden alle gelösten Kalk¬ 
salze durch das alkalische Blutserum gefällt, es kann also nur eine ge¬ 
wisse kleine Menge von Kalk, welche in Verbindung mit organischen 
Substanzen (wahrscheinlich mit Eiweiss3) ist und dadurch die Fähigkeit 
1 Etzinger, Ztschr. f. Biologie. X. S. 99. 1ST4. 
2 Voit, Ztschr. f. Biologie. II. S. 355. 1866. — Weiske. Ebenda. X. S. 442. 1ST4. 
3 A. P. Fokker. Arch. f. d. ges. Physiol. VU. S. 274. 1873.
        

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