Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie des allgemeinen Stoffwechsels und der Ernährung
Person:
Voit, Carl von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16896/360/
352 "\ oit, Die Ernährung. 1. Cap. Bedeutung der einzelnen Nahrungsstoffe. 
bestandtheile sind wahrscheinlich, theilweise wenigstens, mit orga¬ 
nischen Stoffen im Körper innig verbunden und integrirende Bestand¬ 
theile derselben. 
Da von diesen anorganischen Stoffen unter den im Körper ge¬ 
gebenen Bedingungen stets ein Theil, vorzüglich mit dem Harn und 
Koth, ausgeschieden wird, so muss ein Ersatz für dieselben statt¬ 
finden; sie sind deshalb Nahrungsstoffe und nicht minder wichtig 
wie die organischen Nahrungsstoffe z. B. das Eiweiss. 
Man hatte wohl schon seit langem erfahren, dass die thierischen Ge¬ 
webe und Flüssigkeiten, sowie die verschiedenen Nahrungsmittel beim 
Verbrennen eine Asche hinterlassen ; aber man betrachtete dieselbe meist 
als etwas Zufälliges und Nebensächliches. Nur die Knochenerde in den 
Knochen und allenfalls das Eisen im Blute sah man als nothwendige Be- 
tandtheile an, für die in der Nahrung gesorgt sein müsse. 
So wie Liebig1 zuerst mit vollen Verständniss die Bedeutung der 
Aschebestandtheile in der Pflanze hervorhob, machte er auch auf den 
Werth derselben für die thierischen Gebilde und die chemischen Vor¬ 
gänge in ihnen aufmerksam. 
Bis in die neuere Zeit waren jedoch keine Versuche an Thieren da¬ 
rüber angestellt worden, um die Erscheinungen kennen zu lernen, welche 
bei Mangel an allen oder an einzelnen Aschebestandtheilen eintreten. 
Liebig hatte zwar die Resultate einiger Versuche von Magendie, bei 
welchen die Hunde bei Fütterung mit reinem Blutfaserstoff zu Grunde ge¬ 
gangen waren, dahin gedeutet, dass die Thiere an Aschemangel gelitten 
haben. Der letztere hat möglicherweise mit zum Tode beigetragen; es 
ist aber fraglich, ob die Thiere den Nährsalzhunger nicht viel länger 
ertragen und aus Mangel an anderen Substanzen starben. Es ist näm¬ 
lich von Magendie nicht genau angegeben worden, wieviel die Thiere 
täglich von dem trockenen Faserstoff verzehrten; sie können daher eben 
so gut in Folge des Verlustes von Eiweiss oder von Fett ihr Leben ein- 
gebüsst haben.'2 
Jedes Organ und jedes Sekret des Thierkörpers hat bekannt¬ 
lich seine charakteristische Aschezusammensetzung und seinen be¬ 
stimmten Gehalt an Asche, welche nur innerhalb enger Grenzen 
schwanken. 
Volkmann3 hat die Mengen der im Körper eines 62.5 Kilo 
1 Liebig, Chem. Briefe. S. 457. 1S51. 
f2 Von den reinen Eiweissstoffen sind aus schon bekannten Gründen sehr 
grosse Massen zur Erhaltung des Eiweiss- und Fettbestandes nöthig, welche Men¬ 
gen die Hunde Magendie’s wahrscheinlich nicht verzehrten. Darum sind die¬ 
selben aufs Aeusserste abgemagert. Der Mangel an Salzen kann nicht die Ur¬ 
sache des Todes gewesen sein, da die Hunde auch bei Fütterung mit Käse, weissem 
Weizenbrod, Eiern u. s. w., welche doch Salze enthalten, verhungerten und ebenso 
nach Zusatz von Bouillon zu dem Fibrin. (Voit, Sitzungsber. d. b. Acad. II. (4) S. 15. 
1869 ; Ztschr. f. Biologie III. S. 69 u. 70 1867, V. S. 364—367. 1869.) 
3 Volkmann, Ber. d. sächs. Ges. d. Wiss. Math.-physik. CI. 1874. 14. Nov. S. 243 
u. 246.
        

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