Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie des allgemeinen Stoffwechsels und der Ernährung
Person:
Voit, Carl von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16896/349/
Allgemeines und Geschichtliches über die Bedeutung der Nahrungsstoffe. 341 
für die Einteilung' der Nahrungsstoffe, wobei es sich nur um eine stoff¬ 
liche Wirkung handelt, abgeben; ein Nahrungsstoff und ein Wärme lie¬ 
fernder Stoff sind zwei ganz verschiedene Dinge. 
Man hat allmählich gelernt1, die Nahrungsstoffe nach ihrer stoff¬ 
lichen Bedeutung für den Thierkörper aufzufassen und man fragt 
sich jetzt, welche Stoffe müssen zugeführt werden, um den letzteren 
auf seinem Bestände an Stoffen zu erhalten. 
Wir nennen deshalb, wie vorher schon (S. 330) angegeben wor¬ 
den ist, jeden Stoff, welcher im Stande ist, einen zur Zusammen¬ 
setzung des Organismus notwendigen Stoff zum Ansatz zu bringen 
oder dessen Abgabe zu verhüten oder zu vermindern, einen Nah¬ 
rungsstoff, ganz gleichgültig, welche Kräftewirkungen derselbe im 
Körper ausübt. 
Die Elemente sind darum für das höhere Thier keine Nahrungs¬ 
stoffe, auch nicht die einfacheren organischen Verbindungen wie der 
Harnstoff oder das Kreatin, auch wenn sie alle nötigen Elemente 
enthalten, da sie an dem Zerfall im Körper nichts ändern und keine 
zur Zusammensetzung desselben gehörigen Stoffe liefern. 
Es kann Vorkommen, dass ein Stoff im Körper zersetzt wird, 
dabei Sauerstoff in Anspruch nimmt und Wärme entbindet, und trotz¬ 
dem nicht als Nahrungsstoff bezeichnet werden darf. Man hat ge¬ 
meint, ein Stoff wäre ein Nahrungsstoff, sobald seine Zersetzung im 
Körper naehgewiesen sei; derselbe ist aber nur dann ein Nahrungs¬ 
stoff, wenn durch ihn Eiweiss oder Fett in berücksichtigenswerther 
Menge vor dem Zerfall bewahrt wird. Liefert er bei seiner Oxydation 
nebenbei Wärme, so ist dies eine andere Wirkung als die eines 
Nahrungsstoffs; die Wärmeerzeugung braucht nicht einmal nothwendig 
von Nutzen für den Organismus zu sein. Hat er nämlich die Eigen¬ 
schaft, die Blutgefässe der äusseren Haut zur Ausdehnung zu bringen, 
so kann dadurch mehr Wärme verloren gehen, als durch seine Ver¬ 
brennung gewonnen wird. Ich könnte mir dagegen denken, dass 
ein Stoff sich im Körper nicht zersetzt und doch den Zerfall von 
Eiweiss und Fett hemmt, also als ein Nahrungsstoff bezeichnet wer¬ 
den muss. 
Ist ein Stoff von keinem Einfluss auf die Zersetzung eines ein¬ 
zelnen Stoffes im Körper z. B. des Eiweisses, so kann er desswegen 
doch ein Nahrungsstoff sein, denn er vermag möglicherweise die 
Abgabe von Fett vom Körper aufzuheben oder zu vermindern. So 
ist es vielleicht mit dem Glycerin, das den Eiweisszerfall nahezu 
unverändert lässt, aber wahrscheinlich den Fettumsatz herabdrückt. 
I Voit. Ztschr. f. Biologie. VIII. S. 3S4. 1872.
        

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