Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie des allgemeinen Stoffwechsels und der Ernährung
Person:
Voit, Carl von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16896/337/
Allgemeines und Geschichtliches über die Bedeutung der Nahrungsstoffe. 329 
düngen vom Körper z. B. das Wasser, das Chlornatrium, das Chlor¬ 
kalium, die phosphorsauren Alkalien und alkalischen Erden. Zur 
Erhaltung und Ablagerung von Kohlenstoff, Schwefel, Stickstoff und 
eines Theils des Wasserstoffs und Sauerstoffs (im Eiweiss, Fett u. s. w.) 
müssen aber bestimmte, höchst complicirt zusammengesetzte, organi¬ 
sche Verbindungen eingeführt werden. 
Die genannten Elemente sind im Thierkörper vorzüglich in ei¬ 
weissartigen Stoffen und im Fett enthalten; es gilt also entweder 
einen Wiederersatz für den Verlust dieser Stoffe zu schaffen, oder 
einen solchen Verlust zu verhüten. Die übrigen organischen Stoffe, 
welche in den Organen und Säften Vorkommen, brauchen nicht als 
solche zugeführt zu werden; der thierisclie Organismus erhält und 
vergrössert mit Eiweiss, Fett, Wasser und den nöthigen Aschebestand- 
theilen seinen stofflichen Bestand; es können daher sicherlich aus 
Eiweiss und Fett (ja aus Eiweiss allein) alle anderen im Körper be¬ 
findlichen organischen Stoffe hervorgehen. 
Ausser dem Eiweiss und Fett sind im Körper nur mehr leim¬ 
gebende Stoffe, Hornstoff und Lecithin in erheblicher Menge abge¬ 
lagert. Aus resorbirtem Leim wird aber nie leimgebendes Oewebe 
erzeugt, da der Leim stets vollständig zersetzt wird. Der Hornstoff 
bildet sich nicht aus dem verzehrten Hornstoff, der im Darmkanale 
nicht löslich ist; ebensowenig entsteht das Mucin des Schleims aus 
dem in der Nahrung enthaltenen Schleimstoffe. Das in der Nah¬ 
rung aufgenommene Lecithin trägt nicht zur Vermehrung und zum 
Ersatz des im Körper befindlichen Lecithins bei, denn es wird im 
Darm schon in seine Bestandteile zerlegt. Diese drei zusammen¬ 
gesetzten Substanzen bilden sich daher aus Eiweiss und Fett (oder 
Eiweiss allein) aus. Die übrigen meist im Zerfall schon weiter vor¬ 
geschrittenen Stoffe sind nur in geringer Menge vorhanden und ge¬ 
hören grösstenteils nicht mehr notwendig zur Zusammensetzung 
der Organe, es sind Zerfallprodukte des Eiweisses und Fettes, welche 
nicht oder nur zum geringen Theil aus den entsprechenden Stoffen 
der Nahrung abgelagert werden. Das Kreatin des Muskels geht z. B. 
aus der Eiweisszersetzung hervor, denn das in der Nahrung aufge¬ 
nommene Kreatin vermehrt nicht den Kreatingehalt des Muskels, 
sondern wird im Harn wieder entfernt, und es findet sich im Muskel 
eines verhungerten Thieres nicht weniger Kreatin als in dem eines 
reichlich mit Fleisch ernährten. In der Nahrung zugeführter Harn¬ 
stoff wird als solcher, Harnsäure als solche oder als Harnstoff wie¬ 
der ausgeschieden. 
Keinesfalls ist es nöthig für die Zufuhr aller dieser Zersetzungs-
        

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