Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie des allgemeinen Stoffwechsels und der Ernährung
Person:
Voit, Carl von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16896/334/
326 Voit, Allg. Stoffwechsel. 5. Cap. Die Ursachen cl. Stoffzersetzg. im thier. Organ. 
in andersartigen Schwingungszuständen und vermag keine Zucker¬ 
moleküle zur Vergäkrung zu bringen. 
Ueberträgt man die Theorie NIgeli’s auf die Zersetzungen in 
dem aus vielen Zellen zusammengesetzten thierischen Organismus, 
so wäre auch bei letzterem die Ursache für den Zerfall die mole¬ 
kular-physikalische Bewegung der die lebendige Organisation bilden¬ 
den Stoffe. Das ist also die gleiche Ursache, durch welche Pflüger 
die Spaltung des lebenden Eiweisses zu Stande kommen lässt, näm¬ 
lich die intramolekulare Bewegung des Eiweissmoleküls (S. 297). 
Die beiden Forscher lassen aber durch diese Bewegung nicht das 
gleiche Material in Zerfall gerathen, denn nach Pflüger lockert die 
intramolekulare Bewegung in der Cyangruppe das lebendige Eiweiss¬ 
molekül selbst, nach Nägeli dagegen wird der Anstoss auf die die 
Zellen umspülenden Zuckermoleküle übertragen. 
Wie man ersieht, stimmt die NÄGELi’sche Anschauung mit meiner 
Auffassung von der Zersetzung insofern überein, als ich durch die Kraft 
der thierischen Zelle ebenfalls vorzüglich die sie umspülenden oder 
in sie eindringenden gelösten und nicht organisirten Stoffe, das ge¬ 
löste circulirende Eiweiss, die im Säftestrom befindlichen Fette und 
Kohlehydrate als solche spalten lasse und nicht wie Pflüger das 
lebendige organisirte Eiweiss. 
Keine der Theorien steht mit den Thatsachen der Zersetzungen 
im Thierkörper in solchem Einklang wie die von Nägeli, wenn wir 
dieselbe auch vorläufig nur als eine Hypothese betrachten dürfen. 
Vermöge der Grösse der Molekularbewegung in den Zellen kommt 
jeder Zelle ein gewisses Vermögen oder ein gewisses Manss von Kraft 
zu, die in den Säften enthaltenen chemischen Verbindungen zu spalten. 
Zuerst werden die leichter zerlegbaren getrennt, dann die schwerer 
zerlegbaren, so lange bis die verfügbare Kraft erschöpft ist. 
Man ist dagegen nicht wohl im Stande, die mannigfaltigen Vor¬ 
gänge bei der Zersetzung von Eiweiss, Fett und Kohlehydraten im 
thierischen Organismus zu verstehen unter der Annahme, dass in 
den Zellen abgelagerte ungeformte Fermente die Ursache der Zer¬ 
störung sind und für jeden Stoff ein bestimmtes Ferment sich findet. 
Man begreift dabei nicht, warum z. B. manchmal so viel Eiweiss 
zersetzt und dann weniger Fett angegriffen wird, warum bei Zufuhr 
von Kohlehydraten das fettzersetzende Ferment nicht thätig ist.
        

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