Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie des allgemeinen Stoffwechsels und der Ernährung
Person:
Voit, Carl von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16896/324/
316 Voit, Allg. Stoffwechsel. 5. Cap. Die Ursachen d. Stoffzersetzg. im thier. Organ. 
eben Verhältnissen, nichts weiter mehr vergährt wird. Ebenso ist 
es bei einem Ofen, wo auch bis zu einem bestimmten Punkte durch 
Einlegen von mehr Brennmaterial die Verbrennung gesteigert wird. 
Auch nach Aufnahme von Eiweiss in den Darm sind im Körper 
wie beim Hunger vorzüglich zwei Stoffe zur Zersetzung durch die Zel¬ 
len bereit, Eiweiss und Fett. Da das gelöste Eiweiss ungleich leichter 
zerfällt als das Fett, so wird letzteres erst in Angriff genommen, 
wenn ersteres, soweit es disponibel ist, verbraucht ist. Deshalb 
nimmt bei erhöhter Zufuhr und Zersetzung von Eiweiss die Zerstö¬ 
rung des Körperfettes immer mehr ab, bis schliesslich kein Fett mehr 
angegriffen und ausschliesslich Eiweiss umgesetzt wird; die Menge 
des verfügbaren, leicht zersetzlichen Eiweisses ist so gross geworden, 
dass durch die Verarbeitung dieses einen Stoffs die Grenze erreicht 
ist, wo eine weitere Stoffzerlegung durch die Zellen nicht mehr mög¬ 
lich ist. Ja es kann zuletzt bei einem grossen Ueberschuss von Ei¬ 
weiss in einem fettarmen Körper dahin kommen, dass nach der Spal¬ 
tung des letzteren in gewisse erste Produkte schon die Bedingungen 
der Zersetzung in den Zellen erschöpft sind ; es bleibt dann ein Theil 
dieser Produkte (kohlenstoftreicke Stoffe oder Fett) unverändert lie¬ 
gen. Ist der Körper fett, so wird aus dem circulirenden Eiweiss 
leicht Organeiweiss angesetzt, der Vorrath des circulirenden Eiweisses 
ist geringer und es nimmt der Eiweissumsatz ab. Kommt in einem 
fetten Körper durch reichliche Aufnahme von Eiweiss Organeiweiss 
zur Ablagerung, so muss wegen der Abnahme der Eiweisszersetzung 
noch Fett vom Körper zerstört werden (S. 117) 1 ; es verschwindet 
dadurch allmählich das Fett im Körper und es gelangt in Folge 
davon immer weniger Organeiweiss zum Ansatz, der Vorrath des 
circulirenden Eiweisses nimmt zu, so dass zuletzt auch von dem ab¬ 
gelagerten Organeiweiss eingerissen wird und die grösste Eiweiss¬ 
zufuhr nicht mehr ausreicht, den Körper auf seinem Eiweissbestande 
1 Ein Ansatz von Organeiweiss geschieht nicht dadurch, dass in den Zellen 
die Bedingungen für die Zersetzung erschöpft sind, er geschieht vielmehr durch 
die Wegnahme von Eiweiss aus dem Säftestrom und kann daher eintret en, wenn 
die Möglichkeit zur Zerstörung von Material in den Zellen noth besteht. Darum 
kann trotz eines Ansatzes von Eiweiss noch Fett angegriffen werden, wenn nach 
demselben durch das zerstörte Eiweiss die Fähigkeit zu zersetzen noch nicht 
aufgehoben ist. Würde ein Ansatz von Eiweiss erst erfolgen, wenn die Zer¬ 
setzungsfähigkeit der Zellen schon erschöpft ist, so dürfte nach einem Ansatz 
von Eiweiss nie mehr eine Zerstörung von Fett stattfinden. Bei der Gegenwart 
von viel Fett wird, ohne dass Fett verbrannt wird, dem Säftestrom Eiweiss ent¬ 
zogen und in den Organen abgelagert, weshalb dabei weniger Eiweiss zum Zer¬ 
fall gelangt; das Gleiche geschieht bei noch wachsenden Thieren, wo die Zellen 
mit grosser Kraft Eiweiss für sich in Beschlag nehmen, ferner bei der Bildung 
der Milch in der Brustdrüse, oder auch bei der Entwickelung anderer Organe, 
z. B. des Eierstockes beim Lachs, oder von Neubildungen.
        

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