Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erster Theil: Physiologie des allgemeinen Stoffwechsels und der Ernährung
Person:
Voit, Carl von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit16896/319/
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Wirkung der Organisation auf den Stoffumsatz. 
noch besprochen werden wird, aus circulirendem Eiweiss Oiganei- 
weiss zum Ansatz zu bringen. Darnach hat es fast den Anschein, 
als ob die jungen Zellen des noch nicht ausgewachsenen Thiers 
weniger zu zersetzen vermögen, aber die Zellen eines eben ausge¬ 
wachsenen mehr als die eines alten. 
Die hauptsächlichsten Aenderungen im Stoffwechsel werden aber 
hervorgerufen durch die Verschiedenheiten in der Qualität und Quan 
tität des Verbrauchsmaterials, welches den Zellen durch die Säfte- 
circulation zugeführt wird. Es handelt sich dabei voizüglich um 
die Menge des durch den Saftstrom dargebotenen Eiweisses,. aber 
auch um die zugleich vorhandenen stickstofffreien Stoffe. Bei nie 
deren Thieren z. B. Fröschen, welche weniger abhängig von der be¬ 
ständigen Zufuhr von frischer Ernährungsflüssigkeit und Sauerstoff, 
sowie von der stetigen Wegfuhr der Zersetzungsprodukte sind, kann 
ohne Circulation das in den Gewebsmaschen vorhandene Material 
für längere Zeit zu allen Verrichtungen ausreichen; bei den höheren 
Thieren und beim Menschen muss unablässig zu dem genannten 
Zwecke eine Circulation stattfinden. Die Bedeutung der regelmässigen 
Saftströmung und Ernährung wird trefflich illustrirt durch den Still¬ 
stand im Wachsthum der Nägel und Haare beim Hunger. 
Bei grösserer Zufuhr von Eiweiss wächst der Verbrauch an die¬ 
sem Stoff, während der Umsatz des Fettes bei vermehrter Aufnahme 
desselben sich nicht wesentlich ändert. Wenn daher durch eine in¬ 
tensivere Saftcirculation, ohne dass mehr Eiweiss aus dem Darme 
aufgenommen wird, die Theilchen der Eiweisslösung öfter an den 
Zellen vorübergeführt werden, so muss der Verbrauch des Eiweisses 
erhöht sein, der des Fettes aber nahezu gleich bleiben. Von dem 
intensiveren Saftstrom rührt unzweifelhaft die grössere Eiweisszer¬ 
setzung nach Aufnahme reichlicher Wassermengen, sowie von Koch¬ 
salz, Borax, Salmiak und anderen Alkalisalzen her. Dass die raschere 
Circulation aus dem angegebenen Grunde von Einfluss auf die Zer¬ 
setzung ist, zeigt auch der verhältnissmässig grössere Eiweissumsatz 
neben dem relativ fast gleichen Fettumsatz bei kleinen Thieren, 
sowohl beim Hunger als auch bei eben zureichender Nahiung, es 
lässt sich durchaus kein anderer Grund finden, warum die gleiche 
Masse des kleinen Thiers mehr Eiweiss verbraucht als die von Vier- 
ordt gefundene, früher schon hervorgehobene Thatsache, dass die 
in einer gewissen Zeit durch die Gewichtseinheit Organ getriebene 
Blutmenge beim kleinen Thier viel bedeutender ist als beim grossen. 
Wir gehen nun daran die bei verschiedener Zufuhr von Ernäh¬ 
rungsmaterial stattfindenden Zersetzungen zu erklären.
        

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